Wie kommt der Geist in die Materie?
Das Rätsel des Bewusstseins

von Colin McGinn, Susanne Kuhlmann-Krieg

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: C.H. Beck
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 41/2001

Stellen Sie sich eine Nuss vor, die so hart ist, dass sie prinzipiell nicht zu knacken ist. Wie reagieren Sie? Im Prinzip stehen Ihnen zwei Möglichkeiten offen. Entweder sie verehren die Nuss als Zeichen eines Naturwunders - oder Sie werfen sie einfach weg und leugnen auf diese Weise deren Widerständigkeit.

In der Philosophie gibt es im Übrigen ein ganz ähnliches Beispiel: das so genannte Leib/Seele-Problem, also die Frage nach dem Verhältnis von Materie und psychischen Qualitäten. Auch hier gibt es zwei Ansätze, sie bilden die Endpunkte eines Koordinatensystems möglicher philosophischer Positionen: Entweder man betrachtet das Leib/Seele-Problem als trivial, gewissermaßen als gar nicht existent - oder man erklärt es als unlösbar. Zwei Autoren haben sich in letzter Zeit nahe diesen beiden Endpunkten positioniert: der bekannte US-amerikanische Neurophilosoph Paul Churchland legt uns in seinem Buch "Die Seelenmaschine" anhand von Beispielen über die Leistungen künstlicher neuronaler Netze nahe, dass wir die alte abendländische Illusion eines immateriellen Geistes endlich fallen lassen sollen. Was der menschliche Geist kann, dazu sind - im Prinzip - auch Maschinen fähig; also wozu das ewige erfolglose Nüsseknacken? Die Nuss existiert gar nicht, sie ist vielmehr eine Einbildung.Ganz anders der Ansatz des britischen Philosophen Colin McGinn. In "Wie kommt der Geist in die Materie?" plädiert er für einen bescheidenen Ansatz und vertritt die These, dass wir aufgrund unserer kognitiven Ausstattung gar keine Möglichkeit hätten, die Frage nach dem Verhältnis von Geist und Materie abschließend und befriedigend zu beantworten.

Also: wer mit strengen naturwissenschaftlichen Positionen liebäugelt, der lese Churchland - und argumentiere grimmig wie der im 19. Jahrhundert lebende Materialist Carl Vogt: "Die Gedanken verhalten sich zum Gehirn wie der Urin zur Niere." Wer eher eine sisyphusmäßig veranlagte Natur ist, der konsultiere McGinn - und grüble in Verzückung ob der Unlösbarkeit eines schwerwiegenden Problems.

Robert Czepel in FALTER 41/2001 vom 12.10.2001 (S. 37)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Die Seelenmaschine (Paul M. Churchland, Markus Numberger)

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