Biographische Lexikon zur deutschen Geschichte

von Udo Sautter

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Verlag: C.H. Beck
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 41/2002

Keine Frage: Zumindest das Interesse an Deutschland ist in Österreich groß. Während jüngst den Parlamentswahlen beim nordöstlichen Nachbarn Slowakei medial keine große Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wurden tags darauf dem Showdown des deutschen Kanzlerkandidatenduells rundum breite Schwerpunkte gewidmet. Als profund jedoch konnte man den Großteil der veröffentlichten Analysen nur selten empfinden. Dabei hätte allein die Lektüre von Klaus von Beymes Klassiker "Das politische System der Bundesrepublik Deutschland nach der Vereinigung" (Westerwaldverlag, 1999) jener Ratlosigkeit abhelfen können, die sich etwa angesichts der deutschen Skepsis gegenüber einer großen Koalition breit machte.

Auch einige neue Publikationen sorgen für Erhellung der deutschen Zustände und ihrer Hintergründe; dabei können manche davon auch für Österreich von Interesse sein. So vor allem die lesefreundliche Zusammenfassung der bundesdeutschen Migrationsdebatten durch den Tübinger Politologen Karl-Heinz Meier-Braun in "Deutschland, Einwanderungsland". Die Erinnerung sowohl an die massive Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte bereits im wilhelminischen Reich als auch an die Massenauswanderung von sieben Millionen deutschen "Wirtschaftsflüchtlingen" vor hundert Jahren steht dabei ebenso auf dem Programm wie die legendäre Bundesratsabstimmung über das rot-grüne Zuwanderungsgesetz im März 2002. Die unaufdringlich eingeflochtenen historischen Zusammenhänge und Fakten, anhand derer der Autor mit der deutschen Lebenslüge, kein Einwanderungsland zu sein, aufräumt, mögen so nur für Deutschland gelten; Meier-Brauns großer Beitrag aber zur Versachlichung des Reizthemas könnte auch hierzulande nicht schaden. Den kulturellen Kontinuitäten und Brüchen beim Nachbarn widmet sich Hermann Glaser in seiner kompetenten "Kleinen Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert": knapp zwar, aber angesichts der Abhandlung von hundert Jahren auf rund 350 Seiten dafür aufschlussreich in den zahlreichen interdisziplinären Bezügen. Noch knapper fällt naturgemäß das "Biographische Lexikon zur deutschen Geschichte" von Udo Sautter aus, dafür reichen die - rein politischen - Einträge von Karl Martell bis zu Gerhard Schröder. Dass aber auch die Deutschen ihr Land nicht immer ganz verstehen, beweist Roger Willemsen mit seiner "Deutschlandreise". Ein Jahr lang war der Lieblingsintellektuelle des deutschen Fernsehens mit dem Zug unterwegs nach "weit weg, nach Deutschland". Heraus kam eine nicht ganz von angestrengt tiefen Gedanken freie, aber unterhaltsame und flott geschriebene Reportage über "die Normalität". Und die ist bekanntlich nicht zu fassen.

Carsten Fastner in FALTER 41/2002 vom 11.10.2002 (S. 32)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Kleine Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Hermann Glaser)
Deutschland, Einwanderungsland (Karl-Heinz Meier-Braun)
Deutschlandreise (Roger Willemsen)

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