Emotionen
Eine Philosophie der Gefühle

von Richard Wollheim

€ 10,20
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Übersetzung: Dietmar Zimmer
Verlag: C.H.Beck
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Philosophie, Religion/Philosophie/Antike bis Gegenwart
Umfang: 296 Seiten
Erscheinungsdatum: 22.08.2001

Richard Wollheim, einer der angesehensten Philosophen der Gegenwart, stellt in seinem neuen Buch eine ebenso weitreichende wie tiefgehende analytische Betrachtung über das Phänomen der Emotionen an. In einem ersten Schritt läßt er - im ständigen Rückgriff auf Literatur, Psychoanalyse und Kunst - deutlich werden, warum Emotionen eine eigenständige psychologische Kategorie bilden. Diese sind, so Wollheim in einem zweiten Schritt, nichts weniger als seelische Veranlagungen oder grundlegende psychische Kräfte, die, ähnlich wie Begierden oder Überzeugungen, uns plötzlich bewußt werden. Doch im Unterschied zu diesen sind Emotionen eine bestimmte Form der Geisteshaltung bzw. der Einstellung zur Welt. Sie sind eine mentale Disposition ganz eigener Art. Wollheims Nachdenken darüber, was Emotionen sind, wie sie sich in unserem Alltag zeigen und weshalb sich "gewöhnliche" von moralischen Emotionen unterscheiden, hat zu einem facettenreichen, klar argumentierenden Buch geführt, das viele traditionelle Vorstellungen in Zweifel zieht. Es ist gleichzeitig Ausdruck des Bemühens, Emotionalität zu repsychologisieren, um so die Ausdrucksformen des menschlichen Geistes für Psychologie und Philosophie zurückzugewinnen.

Rezension aus FALTER 41/2001

GEFÜHLSKUNDE: Alles Emotion?

Steven Spielbergs Spielfilm "Artificial Intelligence" hat interessante Fragen aufgeworfen. Sind Gefühle konstruierbar? Welche Wirklichkeit kommt ihnen zu, wenn sie technisch programmiert werden? Die beklemmende Irritation solcher Fragen wird vom Regisseur indes raffiniert in honigsüßer Sentimentalität aufgelöst. Richard Wollheim, Vorstand des Instituts für Philosophie der University of California in Berkeley, hat sich auch mit Gefühlen beschäftigt. Wenn sich jedoch einer der Altmeister der angewandten Philosophie mit diesem Thema auseinander setzt, ist anderes zu erwarten.

In "Emotionen. Eine Philosophie der Gefühle" liegt für Wollheim der Kern der Emotionalität in unseren Haltungen und Einstellungen zur Welt, die in Gefühlen zum Ausdruck kommen. Gefühle sind interaktiv, und nur in der Wechselwirkung zwischen Menschen und ihrer Umwelt haben sie Sinn. Sie sensibilisieren uns für die Welt und machen sie erlebbar. Eine Blockierung dieser Interaktionen würde zum Absterben der Gefühle führen. Sie würden in einer Welt, in der Erwartungshaltungen keinen Einfluss auf die Realität nehmen, nicht mehr gebraucht.

Das ist der Hintergrund, vor dem Richard Wollheim versucht, Gefühle zu kategorisieren und sie von anderen mentalen Dispositionen klar abzugrenzen. Wollheims Szenario schließt auch eine Situation mit ein, die wir aus Spielbergs Film kennen. "Nehmen wir zum Beispiel an", schreibt er, "wir liebten jemanden, und unsere Liebe würde niemals erwidert, und zwar nicht aus Gleichgültigkeit oder weil die Liebe bereits anderweitig vergeben worden wäre, sondern aus dem Gedanken heraus, so etwas könne einfach nicht geschehen."

Das Buch hat neben solchen Momenten, die zum Selbstdenken anregen, auch seine Schwächen, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Zwar zeichnet sich Wollheims "Philosophie der Gefühle" durch eine stringente Argumentation und sprachliche Genauigkeit aus, man hat aber auch das Gefühl, dass sich der Autor bisweilen im Labyrinth der Differenzierung verliert und sich die Übersicht durch das permanente Einführen von neuen Termini selbst verbaut. Letztlich ist es ein kompliziertes Buch zu einem komplizierten Thema, aber wer sich der sentimentalen Zermürbung durch Spielbergs Pinocchiade "A. I." ausgesetzt hat, wird für eine nüchterne Analyse menschlicher Emotionen vielleicht dankbar sein

Franz Gutsch in FALTER 41/2001 vom 12.10.2001 (S. 37)


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