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Verlag: C.H. Beck
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 36/2002

Der weltweite Erfolg der erotischen Memoiren von Catherine Millet ("Das sexuelle Leben der Catherine M.") hat nun offenbar auch weit jüngere Französinnen dazu animiert, aus dem Nachtkästchen zu plaudern. "Ich bin gekommen" lässt etwa eine zwanzigjährige Philosophiestudentin aus Paris wissen, die sich - "um ihre Familie zu schützen" - hinter dem Pseudonym Sarah verbirgt. Sarah also hatte, wie der Titel schon andeutet, ihren ersten Orgasmus; aber statt sich über dieses subjektiv sicher bedeutende Ereignis im Stillen zu freuen, hat sie gleich ein Buch darüber geschrieben. Und ehe Sarah - auf Seite 185 - endlich zum Höhepunkt kommt, schildert sie minuziös zahlreiche vorangegangene Sexualkontakte, bei denen sie nicht gekommen ist. Mit seinen durchgehend banalen Gedanken und Metaphern unterscheidet sich das Buch stilistisch nicht wesentlich von einem durchschnittlichen Jungmädchentagebuch - abgesehen davon, dass man dort vermutlich nicht so häufig Worte wie "Blasen" oder "Arschficken" antrifft. Seriöser und literarisch ambitionierter ist der Roman "Hure" der 27-jährigen Frankokanadierin Nelly Arcan ausgefallen. Als Referenz bietet sich hier ein anderer, viel beachteter Bekenntnisroman aus Frankreich, "Inzest" von Christine Angot, an: Auch "Hure" bietet Einsicht in den inneren Monolog einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die Icherzählerin ist, wie die Autorin, Literaturstudentin (wann studieren diese sexuell hyperaktiven Jungautorinnen eigentlich?) und geht dem eher unkonventionellen Studentenjob einer Prostituierten nach. Wer sich aber Schlüssellochberichte aus dem Leben einer Edelnutte erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen gräbt sich die Erzählerin mit jeder Seite tiefer in das Labyrinth der eigenen Neurosen; ihre Essstörungen zum Beispiel führt sie darauf zurück, dass die schmatzenden Geräusche des Vaters am elterlichen Mittagstisch "zu sehr dem Keuchen eines Mannes beim Orgasmus ähnelten". Ein anstrengendes Buch.

Wolfgang Kralicek in FALTER 36/2002 vom 06.09.2002 (S. 56)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Ich bin gekommen (Sarah, Gaby Wurster)

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