Die unterste Milliarde
Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann

von Paul Collier

€ 10,20
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Übersetzung: Rita Seuß
Übersetzung: Martin Richter
Verlag: C.H.Beck
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang: 255 Seiten
Erscheinungsdatum: 15.02.2008

Rezension aus FALTER 34/2008

Reichtum schadet

Sie lebt in 58 Ländern, die derzeit als "gescheiterte Staaten" gelten: "Die unterste Milliarde". Diese Staaten liegen ganz überwiegend in Afrika, aber auch in der Karibik (Haiti) oder in Asien (Kambodscha, Afghanistan). Diese Staaten sind geprägt von Korruption, Nullwachstum und häufig auch von Bürgerkriegen. Paul Collier, Professor in Oxford, forscht seit 40 Jahren zur afrikanischen Ökonomie und berät Regierungen. Das merkt man auf jeder Seite. Er argumentiert empiriegesättigt, aber mit Blick fürs Wesentliche, nüchtern, aber nie zynisch. Jene 58 Länder sind in vier Entwicklungsfallen gefangen: schlechte Regierung, Konflikte, fehlender Zugang zum Meer und, richtig, Rohstoffreichtum: Öl und Diamanten befördern nicht nur Patronage und Verteilungskämpfe, sondern behindern auch die Diversifizierung der Wirtschaft, also hin zu Dienstleistungen und verarbeitender Industrie.
Deswegen hält Collier auch nicht viel von Fair Trade, denn dieser führt dazu, dass die Menschen weiterhin nur Kaffee anbauen. Menschen mit "Herz ohne Kopf" hat er noch mehr zu sagen: Je nach Situation ist auch eine militärische Intervention von außen das adäquate Mittel. Wahlen sind schön und gut, aber den Parteienwettstreit gewinnen meist die Korruptesten. Und IWF und Weltbank sind keineswegs jene bösen Mächte, zu denen sie Globalisierungskritiker gerne stilisieren. Collier widersteht allen einfachen Antworten. Entwicklungshilfe ist nicht grundsätzlich schlecht, aber in Form von Geld kontraproduktiv, wenn es direkt nach einem Regimewechsel fließt. Denn dann fehlt der Regierung der Anreiz zu notwendigen Reformen. In dieser Umschwungphase sollte Entwicklungshilfe besser in Form von ausländischen Experten geleis­tet werden, die notwendiges Know-how mitbringen.
Bei allem Pessimismus wartet Collier jedoch auch mit Lösungsvorschlägen auf und berichtet von vereinzelten Erfolgen: In Uganda kamen gerade mal 20 Prozent der Gelder für die Schulen tatsächlich an. Der Zentralbankdirektor veröffentlichte daraufhin die anstehenden Überweisungen in den lokalen Medien, sodass alle wussten, wie viel Geld ihnen zustand. Diese "Kontrolle von unten" steigerte die Quote auf 90 Prozent!

Oliver Hochadel in FALTER 34/2008 vom 22.08.2008 (S. 50)


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