Böse Spiele
Roman

von Michael Stavaric

€ 17,40
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: C.H.Beck
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 155 Seiten
Erscheinungsdatum: 22.01.2009

Rezension aus FALTER 11/2009

Kriegsschauplatz Dreiecksbeziehung

In seinem vor wenigen Monaten erschienenen Buch "Magma" hatte Michael Stavari¡c eine Menge Naturkatastrophen vorgeführt, in seinem neuesten, "Böse Spiele", geht es um Kriege. Mythische Kriege, Liebeskriege, Geschlechterkriege, häusliche Kriege – ohne konkrete Daten, was es in dieser Hinsicht von "Magma", einem chaotisierenden Internetlexikonroman, unterscheidet.
Hinter dem Aufmarsch großer Themen – Gott darf bei Stavari¡c auch nicht fehlen – steht freilich die eher banale Geschichte eines begabten Lovers, der zwei Frauen befriedigen soll, eine verheiratete mit Kind und eine mythische Amazone. Oder, wenn das Erzählkaleidoskop weitergedreht wird, und das geschieht in einem fort, eine Stadt- und eine Landfrau. Zu keiner von beiden vermag (oder mag?) der schemenhafte Ich- Erzähler eine dauerhafte Beziehung zu entwickeln. Die Stadtfrau verlangt fallweise von ihm, ihren Ehemann zu töten. Die Amazone steht naturgemäß auf gestandene Krieger.
Das Kaleidoskopprinzip des Romans bringt es mit sich, dass keine Konstellation andauert. Die bösen Spiele sind in erster Linie Literaturspiele, Ansätze zu und Zurücknahmen von Melo- und Mythodram. Wie die sprachlichen Regieeinfälle des Autors Vorschaltungen und Weglassungen sind: Das fast nur aus Nebensätzen bestehende Buch spart simple Formeln wie "ich dachte" oder "sie sagte" aus und erzeugt damit einen interessanten Effekt, der auf die Dauer aber monoton wirkt. Dafür hat Stavari.c den Text mit Eingangsphrasen wie "ob ich weiß, wie" gespickt, die manchmal fehl am Platz wirken. Es gibt poetische Passagen in diesem aus zahllosen Fragmenten montierten Buch, die aber immer wie zurückgenommen wirken – so, als dürfte der Prosaautor sich den lyrischen Höhenflug nicht wirklich gestatten.
Und es gibt Kalauer à la Jelinek, die in der Präsentation allerdings weicher ausfallen, der martialischen Thematik zum Trotz: "Wir ziehen die Vorhänge zu, sagt sie, gemeinsam an einem Strang." Der Satz könnte, zynisch unterfüttert, eben bei Jelinek stehen, oder, etwas flauschiger, im Katalog eines Möbelhauses. Er steht bei Michael Stavari.c.

Leopold Federmair in FALTER 11/2009 vom 13.03.2009 (S. 19)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb