Geschichte der Geheimdienste
Von den Pharaonen bis zur CIA

von Wolfgang Krieger

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: C.H. Beck
Erscheinungsdatum: 25.08.2009

Rezension aus FALTER 45/2009

Die Demokratie als Wiege des Überwachungsstaates

Wolfgang Krieger erzählt mehrere tausend Jahre Menschheitsgeschichte im Spiegel der Geheimdienste

Politische Spionage ist so alt wie politisches Machtstreben selbst – so die durchaus plausible Leitthese des deutschen Geheimdienstforschers Wolfgang Krieger. In Siebenmeilenstiefeln durcheilt er die Geschichte der Geheimdienste vom alten Ägypten bis zur CIA der Vereinigten Staaten und hat sich damit viel vorgenommen, zu viel vielleicht. Denn wie die streckenweise anstrengende Lektüre des Buches belegt: Es ist nicht leicht, auf 340 Seiten eine empirisch fundierte Studie zu mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte unterzubringen.

Kriegers Argumentation leidet unter der Materialfülle: Sie fällt bisweilen – gezwungenermaßen – verkürzt und nicht immer nachvollziehbar aus. Und das, obwohl die Quellenlage, insbesondere jene aus der Zeit der Antike, äußerst dünn ist. Krieger räumt ein, es gehe in der Erforschung der antiken Geheimdienste primär darum, versteckten Hinweisen nachzugehen.
Was die Erforschung der neuzeitlichen Geheimdienstgeschichte anbelangt, profitiert der Autor davon, dass die Politik in der jüngeren Vergangenheit Archivzugänge deutlich erleichtert hat, sei es in den USA, in Deutschland, in China oder im Russland Boris Jelzins (Jelzins Nachfolger setzten den Kurs der Archivöffnungen nicht fort). Spätestens ab dem 18. Jahrhundert, dem Jahrhundert wissenschaftlicher Revolutionen und somit neuer technischer Möglichkeiten, sind Geheimdienstaktivitäten gut dokumentiert.
Die Grundlagen für die neuzeitliche Geheimdienstarbeit wurden laut Krieger durch die französische Revolution geschaffen: "Es war nicht die Monarchie, sondern die Demokratie, welche den modernen geheimdienstlich gestützten Überwachungsstaat schuf. Auch in dieser Hinsicht wurde also Frankreich zum Labor der modernen demokratischen Politik." Sowohl der Inlands- als auch der militärische Geheimdienst erfuhren eine deutliche Professionalisierung. Doch auch in den Monarchien wurde die geheimdienstliche Tätigkeit seit dem 18. Jahrhundert allmählich "modernisiert" – am ausgeprägtesten in Österreich, mit den entsprechenden Begleiterscheinungen von Verrat bis zu Korruption. Ein hierfür besonders anschauliches Beispiel sieht Krieger im Fall Redl: Der österreichische Geheimdienstoffizier Alfred Redl belieferte Russland heimlich mehrere Jahre lang mit österreichischen Generalstabsplänen, bevor er 1913 enttarnt wurde. Ob der Verlauf des kurz darauf ausgebrochenen Ersten Weltkriegs durch diesen Spionagefall tatsächlich beeinflusst wurde, lässt Krieger bewusst offen. Auf die Entwicklung des Zweiten Weltkriegs dürften die Geheimdienste
allerdings einen erheblichen Einfluss gehabt haben, wie Krieger etwa im knapp gehaltenen, aber anschaulich geschriebenen Kapitel zur "Funkentschlüsselung" aufzeigt.
Die Glanzzeit der Geheimdienste begann jedoch mit der Nachkriegsperiode. Die (Atom-)Mächtekonstellation brachte es mit sich, dass ein Krieg nur noch indirekt geführt werden konnte, weil eine militärische Eskalation seitens der beiden Großmächte USA und Sowjetunion unweigerlich zur völligen Vernichtung geführt hätte. Krieger sieht in diesem Umstand für die Geheimdienste einen Bedeutungszuwachs: "Sie waren nicht mehr eine Ergänzung anderer machtpolitischer Instrumentarien, sondern ein Ersatz für den Großmächtekrieg, den man nicht führen wollte und der durch die wachsenden Atomarsenale schlichtweg unführbar wurde."

Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen, die Geheimdienste im Namen von staatlichen Sicherheitsvorkehrungen begingen, bringt Krieger ebenfalls zur Sprache, wenn er die Frage nach der Verantwortung stellt:
Tragen die Geheimdienste selbst oder nicht vielmehr ihre staatlichen Auftraggeber Schuld für begangenes Unrecht?
"Nur äußerst selten handeln die Geheimdienste gegen den Willen der eigenen Regierungen beziehungsweise ohne deren Wissen", so Kriegers unmissverständliche Antwort.
Deswegen sei es notwendig, geheimdienstliche Vorgangsweisen immer wieder in der Öffentlichkeit zu diskutieren, wie dies etwa in den USA, dem Land mit den meisten Geheimdienstoperationen, durchaus der Fall sei. Denn: "Dort, wo es der Exekutive gelingt, die Fakten unter Verschluss zu halten, darf man nicht leichtfertig auf die Abwesenheit von unethischem Verhalten schließen."

Fritz Trümpi in FALTER 45/2009 vom 06.11.2009 (S. 19)


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