Pascal, Fermat und die Berechnung des Glücks
Eine Reise in die Geschichte der Mathematik

von Max Schröder, Keith Devlin

€ 18,40
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Übersetzung: Enrico Heinemann
Verlag: C.H.Beck
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Natur, Technik/Naturwissenschaft
Umfang: 205 Seiten
Erscheinungsdatum: 22.07.2009

Rezension aus FALTER 42/2009

Von der Spielsucht zur Statistik

Mathematik: Keith Devlin legt ein gut lesbares Buch über die Geschichte der Wahrscheinlichkeitsrechnung vor

Im August 1654 schrieb der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal an den Mathematiker Pierre de Fermat einen entscheidenden Brief. Auf den ersten Blick lässt nichts erkennen, dass die darin ausgeführten Gedanken die Grundlage für eine Theorie legen würden, die heute von der Wissenschaft bis zur Wirtschaft fundamental die Strukturen unserer Gesellschaft mitbestimmt: die Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Angefangen hat alles mit einem Laster: Schon im zehnten Jahrhundert unternahm Bischof Wibold von Cambrai den ersten Versuch, den Zufall dem Menschen wohlgesonnen zu machen und Häufigkeitsmuster in den Ergebnissen von Glücksspielen zu entdecken. Danach versuchten sich viele weitere mit ähnlichen Ansinnen an der Berechnung des Glücks – besonders hervorzuheben der italienische Mathematiker Girolamo Cardano, der nach eigenen Angaben "stets hitzköpfig, stur und den Frauen ergeben" sowie "erbärmlich, gehässig, wolllüstig", darüber hinaus spielsüchtig und entsprechend motiviert war. Er verfasste mit dem erst fast 90 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1663 erschienenen "Liber de ludo alea" die erste wissenschaftliche Abhandlung zum Würfelspiel, die allerdings auch als Anleitung für Spieler intendiert war.
Von der Spielsucht selbst nicht angekränkelt, widmeten sich auch Pascal und Fermat in ihrem Briefwechsel dem Würfelspiel. Ihre Aufmerksamkeit galt der Lösung des sogenannten Spielabbruchproblems, bei dem es vereinfacht darum geht, wie der Spieleinsatz gerecht aufgeteilt wird, wenn das Würfelspiel vorzeitig abgebrochen wird.

"Pascal, Fermat und die Berechnung des Glücks" ist nicht das erste Buch über die Geschichte der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Doch mit Keith Devlin, Autor populärwissenschaftlicher Bestseller wie "Das Mathe-Gen", hat sich ein Meister seines Fachs der Thematik angenommen. Die Idee ist simpel und genial: Man nehme einen berühmten Text, zeige die darin enthaltene geistige Revolution und entfalte daran den Weg einer Theorie – in diesem Fall der Wahrscheinlichkeitsrechnung von ihren Anfängen im 17. Jahrhundert bis zum Risikomanagement des 21. Jahrhunderts.
Dabei bewältigt Devlin nicht nur die keineswegs leichte Aufgabe zu zeigen, was an der Lösung eines Detailproblems wie dieses revolutionär sein soll. Er gibt auch einen Einblick in die Entstehung mathematischer Gedanken – fern von dem aus der Schule vertrauten Bild der Mathematik als einer Sammlung mehr oder minder interessanter Kochrezepte. Und man mag es kaum glauben: Auch große Geister wie Pascal und Fermat hatten ihre geistigen Blackouts. So sind Fermats Gedanken Pascal an entscheidender Stelle zu hoch, und Fermat stellt mathematische Tatsachenbehauptungen auf, die sich im Verlauf der weiteren Geschichte als völlig haltlos herausstellen sollten. So manches Mathematiktrauma ließe sich vielleicht abwenden, würde man derlei Dinge im Schulunterricht erfahren.

Formal ist das Buch routiniert: Die wenigen Stellen, an denen die Mathematik über Volksschulniveau hinausgeht, sind mit Vorwarnungen inklusive Hinweis ausgestattet, dass man sie auch einfach überspringen könne. Wohldosierte Anekdoten verhindern allzu tiefe Reflexionen dar­über, ob das Thema wirklich so spannend sei – vor allem wenn das Buch den verruchten Teil des Glücksspiels verlässt und für Statistik zu faszinieren versucht.
Aus der Sicht von Nichtmathematikern mag ein wenig stören, dass Devlin (wie die meisten seiner Fachkollegen) dazu neigt, die Bedeutung der Mathematik ein wenig überzuformulieren. So sieht er nicht nur die Gauß'sche Glockenkurve als "eine Art Symbol für das 21. Jahrhundert", sondern ist auch überzeugt, dass sich der "Faktor Mensch" mathematisch analysieren lässt. Für Devlin der Grund, wieso Risikomanagement kein Zweig der Psychologie geworden ist, sondern mathematisch angegangen wird. Dass dahinter ein auf Quantifizierung fixiertes Weltbild steht, sieht er offenbar nicht.

Martina Gröschl in FALTER 42/2009 vom 16.10.2009 (S. 50)


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