Rätselhaftes Tier-ABC

von Christine Brand, Heinz Brand

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Verlag: Beltz & Gelberg
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 49/1999

Wo Elche Auto stoppen

Zebraenten mit Baskenmützen, Fische mit Freiheitsdrang und Monddrachen mit Lockenwicklern: Erhebendes und Erheiterndes zum Herschenken und Behalten.

Qualle ist leicht. Wann immer in einem Kinderbuch das Alphabet der Tiere durchgegangen wird, vergisst man auf den Quastenflosser und verfällt auf: "Ekelt alle. / Heißt Q" Genau. Aber selbst das Naheliegende wird von Heinz und Christine Brand und deren "Rätselhaftem Tier-ABC" derartig witzig und subtil variiert, dass es eine große Freude und mitunter selbst für Erwachsene ganz schön rätselhaft ist. Warum taucht zum Beispiel unter dem Buchstaben T eine baskenbemützte Zebraente auf? Die Illustrationen treiben ihren Schabernack, verwenden überraschende Perspektiven oder Ausschnitte, um uns die Sache nicht gar zu leicht zu machen. Unter P zum Beispiel hängt überhaupt nur ein einsamer Frack über dem polaren Eis. Naaa?

Der Zeichner und Jazzmusiker Volker Kriegel hat sich auch nach Norden begeben und dem geweihmäßig gehandicapten Elch Olaf einen kongenialen Weihnachtsmann an die Seite gestellt. "Olaf, der Elch" hat infolge Provokation durch zwei besoffene Bären (die dafür auch die verdiente Abreibung kriegen) nur mehr eine Schaufel am Kopf, dem Weihnachtsmann aber fehlt ein Auge. Olaf ist besser beim Federball (Schaufel!), der Weihnachtsmann dafür unschlagbar bei Mau-Mau. Wie sich die beiden kennen lernen? Ganz klar: "Jeder, der schon einmal mit dem Auto im Norden Europas unterwegs war, kennt diese peinliche Situation: Man schiebt fluchend den Wagen aus dem Graben, während am Straßenrand ein feixender Elch (meistens sind es sogar mehrere) mit dem Finger auf einen zeigt und sich gar nicht mehr einkriegt vor Schadenfreude. Diesmal jedoch war es anders." Alles klar?

Seit er nicht mehr lustig sein will, zeichnet und schreibt F.K. Waechter Bücher für Kinder und/oder Erwachsene, die vom Lieben, Leben und Sterben handeln und mindestens so melancholisch machen wie Pan-Tau und all das andere tschechische Kinderfernsehen. "Der Kleine im Glaspott" erzählt die Geschichte vom kleinen Fisch, der trotz elterlicher Horror-Pädagogik ("vor allen Dingen gibts den Hai. / Des Meeres Ultraschreck, / kaum bist du Fisch, schon bist du weg") nicht länger gewillt ist, das fischige Biedermeier im Goldfischglas für die beste aller Welten zu halten. Ein Buch mit Bildern einer friedvollen Apokalypse - denn wer das Meer nicht fürchtet, den besucht es auch. Und sei's in Galinowskis Stube.

Als Apotheose des unerschrockenen Forschergeistes lässt sich auch "Antipoden" lesen, das Ernst Jandl und Norman Junge - seit "immer höher" und "fünfter sein" ein gut eingespieltes Doppel - geschrieben bzw. gezeichnet haben. Wenn man immer tiefer geht - unter Tisch, Boden, Zimmer, Keller und durch den Erball -, landet man "Auf der anderen Seite der Welt". Kopf nach unten. Klarerweise.

Mit dem Kopf nach unten hängt auch Anna von der Zimmerdecke. Doch was heißt schon oben, was unten? Man braucht das jüngste Buch von Jens Rassmus, dem wir ja das Jahrhundertwerk "Bauer Enno und seine Kuh Afrika" verdanken, nur auf den Kopf zu stellen, um zu sehen, dass man es eigentlich auf die Füße gestellt hat. Man blättert also von links nach rechts und dann von rechts nach links und dann wieder Und siehe, der Himmel wird zum Meer, und die Häuser hängen ins heilignüchterne Wasser. Auf dem rudert Anna mit Heribert Hut, Tim Tuba, Madame Coco und Alwin Silbertrompete zum Mond, wo "Das Vollmondorchester" einen rechten Radau macht, was den Lockenwickler tragenden Drachen ziemlich vergrätzt. Aber wo Gefahr ist, wächst bekanntlich das Rettende auch, und Jens Rassmus erweist sich einmal mehr als Meister einer luziden mondlichtigen Romantik, die auch unausgeglichene Gemüter nicht allzu sehr aufwühlen wird.

Klaus Nüchtern in FALTER 49/1999 vom 10.12.1999 (S. 67)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Olaf, der Elch (Volker Kriegel)
Der Kleine im Glaspott (F.K. Waechter)
Antipoden (Ernst Jandl, Norman Junge)
Das Vollmondorchester (Jens Rassmus)

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