Liebe ganz oder gar nicht

von Peter Kihlgard, Susanne Dahmann

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: DVA
Erscheinungsdatum: 01.02.2009

Rezension aus FALTER 17/2009

Peter Kihlgard schreibt dort, wo es wehtut. Hält Lesungen in Begleitung einer Heavy-Metal-Band. Sieht aus, als hätte er drei Jahre ununterbrochen ein Rockfestival besucht und im Zelt geschlafen. Bislang lagen zwei Bücher von ihm auf Deutsch vor – die leider nicht zu seinen besten gehören. Jetzt hat es wieder ein Verlag gewagt. "Liebe ganz oder gar nicht" war monatelang unter den schwedischen Top Ten. Kihlgard erzählt die 30 Jahre währende Liebesgeschichte von Kicke und Lasse, die im gemeinsamen Selbstmord endet, als Kicke erfährt, dass ihre Krebserkrankung trotz Chemo doch nicht überwunden ist. ",Lasse, ich mache das nicht noch einmal durch.' ‚Nein.' ‚Ich nehme mir lieber das Leben.' ‚Ich dann auch.' ‚Ich meine es ernst.' ‚Ich auch.' Sie wandten die Köpfe und sahen mit einer Gleichzeitigkeit hinaus, die sie normalerweise lächeln ließ." Lasse kauft einen Porsche Baujahr 1976, mit dem sie über irgendeine Klippe rasen.
Kihlgard erzählt diese Geschichte rückwärts. Er beginnt mit dem Porsche und endet mit der ersten Begegnung zwischen Lasse und Kicki. Und entblättert so ein gemeinsames Leben voller Abgründe und Eupho­rien. Kihlgard pickt einzelne Szenen heraus und demonstriert an ihnen, wie zwei Menschen füreinander geschaffen sind, sich aneinander reiben, sich verlassen, aber nicht voneinander loskommen können und wollen. Weil es kein "Glück" gibt. Weil Glück auch Schmerz bedeutet. Kihl­gard ist es tatsächlich gelungen, die uralte Geschichte von der lebenslangen Liebe unsentimental und doch ergreifend, dabei aber so frisch und anders zu erzählen, dass man wieder an sie glaubt.
In einer der entscheidenden Szenen stellen Kicki und Lasse die finsterste Szene ihrer Ehe nach: Als sie erfahren, dass sie kein Kind adoptieren können. Später stellen sie diese Szene nach und filmen sich dabei. Dann sehen sie sich den Film an, auf dem aber nur zu sehen ist, wie ein mittelaltes Ehepaar verzweifelt zu schauspielern versucht und dabei lacht, bis ihnen die Tränen kommen: "Es war so schrecklich lustig zu sehen, wie viel Spaß sie gehabt hatten, als sie versuchten, den schlimmsten Moment ihres gemeinsamen Lebens nachzuspielen."

Thomas Askan Vierich in FALTER 17/2009 vom 24.04.2009 (S. 20)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb