Mit Gift und Genen
Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert

von Marie-Monique Robin

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: DVA
Erscheinungsdatum: 01.01.2009

Rezension aus FALTER 11/2009

Monsantos schöne neue Gentech-Welt

Einen veritablen Politthriller hat die französische Journalistin Marie-Monique Robin mit "Mit Gift und Genen" vorgelegt. Als Dokumentarfilmerin war Robin wiederholt mit dem Namen Monsanto konfrontiert, der weltweit "als Big Brother der neuen landwirtschaftlichen Ordnung" wahrgenommen wurde, wie sie schreibt. Sie schlug dem Fernsehsender arte eine Dokumentation vor, die 2008 erstmals ausgestrahlt wurde. Das Ergebnis der Recherchen verpackte sie in einem Buch – als umfassende Zusammenstellung der "Akte Monsanto".
Neu sind die Vorwürfe, die Robin gegen den US-amerikanischen Biotech-Multi Monsanto erhebt, nicht: Monsanto gilt als einer der "ganz bösen" Konzerne. Agent- Orange-Produzent, skrupellos im Umgang mit Giftmüll wie Dioxin und PCB, vor allem aber Möchtegernherrscher über die Welternährung: 90 Prozent aller Patente auf gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) in der Landwirtschaft hält Monsanto, weit mehr als Konkurrenten wie Syngenta oder DuPont.

Entsprechend offensiv ist das politische Lobbying, um die Zulassung von gentechnisch verändertem Saatgut und daraus hergestellten Lebensmitteln durchzusetzen. Dass dabei mit harten Bandagen gekämpft wird, ist untertrieben: Immer wieder wird Monsanto vorgeworfen, Studien zu fälschen, Kritikern gegenüber Rufmord zu betreiben und generell vor nichts zurück zuschrecken, um die Kontrolle über die globale Nahrungsmittelproduktion an sich zu bringen. Bloße Verschwörungstheorien? Die Vorwürfe damit abzutun, wäre leichtfertig, wie Robins Recherchen zeigen. Sie traf Wissenschaftler, Umweltaktivisten, Behördenvertreter, Groß- und Kleinbauern. Monsantos Antwort auf ihre wiederholten Anfragen blieb immer gleich: "Kein Kommentar!"

Monsanto wandelte sich in den letzten 15 Jahren vom Chemieriesen zum weltgrößten Biotechnologieunternehmen. Diese Mutation ist logisch schlüssig: Monsantos Bestseller war und ist ein Herbizid namens Roundup, lange das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt. Für die Aussagen, Roundup sei "umweltschonend", "biologisch abbaubar" etc., wurde Monsanto 1998 in Kalifornien und 2007 in Frankreich wegen irreführender Werbung verurteilt. Verkauft wird Roundup weiter, wenn auch mit weniger markigen Sprüchen.

Der Punkt war, dass Monsanto den Absatz von Roundup perfekt an den Absatz von patentiertem gentechnisch verändertem Saatgut koppeln konnte, das im Gegensatz zu anderen Pflanzen gegen Roundup resistent ist ("Roundup-ready"). So verdient Monsanto doppelt: am Verkauf des Saatguts und des dazugehörigen Spritzmittels. Entgegen den Versprechungen Monsantos und anderer GVO-Produzenten hat sich inzwischen im Praxistest – auf Millionen von Feldern weltweit – erwiesen, dass der Verbrauch von Herbiziden und damit die Schädigung der Umwelt mit den neuen Saaten keineswegs zurückgeht. Was für ein Zufall.
Doch das alte Problem der giftigen Spritzmittel war nicht das einzige: Die neuen Biotechnologien sollten im Agrarbereich sehr schnell marktfähige Produkte ergeben, es ging um viel Geld. Robin dokumentiert, wie Zulassungsvorschriften umgangen, Studien mit unbequemen Resultaten manipuliert, US-Behörden unterwandert oder unter Druck gesetzt wurden. Ein für die USA gut belegtes "Drehtüren"- System von Experten, die laufend zwischen Monsanto-Ablegern und Behörden ihren Arbeitgeber wechselten, sorgte dafür, dass GVOs heute in den USA vor allem bei Soja und Mais dominieren. Sogar eine Kennzeichnungspflicht wurde erfolgreich verhindert.
Noch beunruhigender als die (wenig überraschende) Anfälligkeit von Politikern und Behörden für den Lobbyismus von Großfirmen ist die offensichtliche Voreingenommenheit mancher Wissenschaftler und selbst wissenschaftlicher Institutionen zugunsten von GVOs. Diese hindert sie daran, Studien anzuerkennen, die unerwartete Ergebnisse liefern. Als der renommierte Biochemiker Arpad Pusztai feststellte, dass mit GVO-Kartoffeln gefütterte Ratten Organveränderungen aufwiesen, und daraufhin der BBC ein Interview gab, wurde er – nach politischem Druck auf seine Universität – entlassen und systematisch diskreditiert. Erstaunlich war, dass die berühmte Royal Society dabei mitmachte, sogar mit dem erklärten Ziel, "die wissenschaftliche und öffentliche Meinungsbildung zugunsten der Biotechnologie zu beeinflussen".

Angesichts solcher Kaliber, die sich für GVOs und damit auch für die Interessen von Firmen wie Monsanto in die Schlacht werfen, wird klar, dass und warum es für Politik, Öffentlichkeit und kritische Journalisten oft schwer ist, sich ein "objektives" Bild von den möglichen Vorteilen oder Risiken von GVOs zu machen. In der EU spielt die EFSA als Expertengremium für die Zulassung von GVOs eine zentrale Rolle, die Biotech- Unternehmen nahesteht. Die Frage drängt sich auf: Warum ist das nicht bekannter? Warum bemühen sich nicht mehr Journalisten, hinter die Kulissen von politischen Entscheidungen zu blicken, die weit reichende Konsequenzen haben könnten? Marie-Monique Robin selbst hält fest: "Ich habe auch viele Leute getroffen, die entschlossen gegen derart demokratiewidriges Verhalten ankämpfen. Leider gehören nur selten Politiker oder Vertreter der Medien dazu."

Karin Chladek in FALTER 11/2009 vom 13.03.2009 (S. 42)


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