Höllensturz
Europa 1914 bis 1949

von Ian Kershaw

€ 36,00
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Übersetzung: Klaus Binder
Übersetzung: Bernd Leineweber
Übersetzung: Britta Schröder
Verlag: DVA
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Geschichte
Umfang: 768 Seiten
Erscheinungsdatum: 12.09.2016


Rezension aus FALTER 51-52/2016

Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Der britische Historiker Ian Kershaw besitzt die stupende Fähigkeit, große Würfe zu produzieren. Diesmal weitet er seinen Blick auf ganz Europa aus, fokussiert auf die dramatischen Jahre 1914 bis 1949 und erzählt auf beherzte, anschauliche Weise Politik-, Sozial- und Alltagsgeschichte. Dabei zeichnet er auch die lautlosen Transformationen nach – etwa jene der Unterhaltungsindustrie oder der Rolle von Kirchen und Konsumismus –, die die Katastrophengeschichte überlagern.
Zwar widmet er den einzelnen Staaten separate Betrachtungen, viel wichtiger ist ihm aber die große europäische Auseinandersetzung um Krieg und Frieden, Nationalismus, Judenhass oder soziale Revolution. Es ist ihm ein Anliegen, Geschichte als offenen Prozess zu zeigen, Entscheidungsprozesse aufzurollen und Fehleinschätzungen zu benennen. Nach dem Motto: Die Geschichte hätte auch anders verlaufen können.
Manche Passagen lesen sich beklemmend aktuell, sind auch mit Blick auf die Gegenwart, auf allfällige Europa-Debatten lehrreich. Gleichzeitig hält Kershaw sich in puncto Pathos und Zeigefinger zurück, aber glücklicherweise nicht bei der Empathie. Die Erfahrung eines ganzen Forscherlebens fließt mit ein. Very british!
Einer breiten Leserschaft bekannt wurde Kershaw 1998 mit seiner ­großen Hitler-Biografie, 2011 erschien sein Buch „Das Ende: Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45“. Aufgrund seines bis­­herigen Forschungsschwerpunkts ist man nicht überrascht, dass sich Kershaw auch in seinem neuesten Buch ausführlich mit dem Deutschen Reich beschäftigt. Großbritannien und sein Empire, Frankreich und sein Kolonialismus oder die Besonderheiten des Balkans rücken dabei an den Rand.
Der Verlag hatte dem Autor den Auftrag gegeben, eine Geschichte Europas für eine breite Leserschaft ohne wissenschaftlichen Apparat, nur mit einer Bibliografie zu schreiben. Trotzdem sind auch die Fachleute von dem Ergebnis bisher angetan. Eine rundum gelungene historische Gesamtdarstellung.

Alfred Pfoser in FALTER 51-52/2016 vom 23.12.2016 (S. 44)


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