Sieben Wegbereiter
Schriftsteller des Zwanzigsten Jahrhunderts

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Verlag: DVA
Genre: Belletristik
Erscheinungsdatum: 20.08.2002

Schon in seiner Schulzeit im Berlin der dreißiger Jahre hatte er ihre Bücher gelesen, bewundert und geliebt. Auf allen Etappen seines bewegten, dramatischen Lebens war er zu ihnen zurückgekehrt - staunend, gelegentlich auch zweifelnd und letztlich stets aufs neue überwältigt.Was wird bleiben von der deutschen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts? Zunächst die drei Genies, die in der Epik, der Lyrik und im Drama das Jahrhundert auf den Begriff gebracht haben: Thomas Mann, Kafka und Brecht; dann, zumindest teilweise, das Werk der Romanciers Döblin und Musil, des Erotikers Schnitzler und des Feuilletonisten Tucholsky. Reich-Ranicki zieht in seinen Essays die Bilanz einer lebenslangen Passion, aus der eine Profession wurde. Er zeigt, dass jene, denen wir Verse und Prosa von höchster Qualität verdanken, allesamt schwache Menschen waren, leidend und einsam, gequält von Ehrgeiz und Eitelkeit. Er zeigt ihre Lächerlichkeit, ihre Originalität, doch vor allem ihre Größe, ja ihre Erhabenheit. Dieses Buch ist ein polemisches Plädoyer für die deutsche Literatur, eine so ungewöhnliche wie leidenschaftliche Liebeserklärung.

Rezension aus FALTER 44/2002

Dank Heinrich Breloers Fernsehbiografie erlebt Thomas Mann seit Ende 2001 eine Renaissance. Eigentlich müsste das die Freunde althergebrachter Normen mehr verstören als begeistern. Denn nicht nur "Der Tod in Venedig" verweist auf eine Sexualität des Nobelpreisträgers, die mit bürgerlichen Wertvorstellungen nicht so ohne weiteres vereinbar war. Dass Mann "ein Erotiker war und dass sexuelle Motive in seinem Werk eine zentrale Rolle spielen - das haben wir mit Sicherheit unterschätzt", gesteht auch Marcel Reich-Ranicki in seinem Essayband "Sieben Wegbereiter", in dem seinem favorisierten Schriftsteller 70 von 270 Textseiten reserviert sind.
Knabenanschmachten als Leitthema eines Weltliteraten. Ein Problem will Reich-Ranicki darin nicht entdeckenIm Gegensatz zu Gilbert Adair, der eine kurze Biografie jenes Adelssprosses, der 1911 für Tadzio Modell gestanden hat, geschrieben hat - und mit dem Hinweis darauf schockiert, dass der vom Dichter in Venedig angehimmelte Bube in Wirklichkeit gerade einmal zehn Jahre alt war. "Adzio und Tadzio" untersucht, wie es sich damit gelebt hat, aller Welt als Personifikation des Knabenbegehrens zu gelten. Wladyslaw Moes (1900-1986, Spitzname: "Adzio") wusste zwölf Jahre lang nicht, dass "einer dieser Herren" aus dem Hotel sich seiner koketten Extrovertiertheit bedient hatte, um die Lust auf vorpubertäres Fleisch literarisch zu kompensieren - und dies, ohne dabei Namen und Herkunft des Kindes wirksam zu verschleiern. Adair, der sich zusätzlich um den Lebensweg von Björn Andresen kümmert, den Darsteller des Tadzio aus Viscontis Verfilmung, will den Dichter keineswegs moralisch richten. Aber dass die Knabenerotik bedenklich tief in der bürgerlichen Kultur verwurzelt ist, musste einmal gesagt werden.

Martin Droschke in FALTER 44/2002 vom 01.11.2002 (S. 69)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Adzio und Tadzio (Gilbert Adair, Thomas Schlachter)

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