Geheime Zimmer

von Jeroen Brouwers, Christiane Kuby

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: DVA
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 4/2003

Seit es Ehen gibt, werden sie gebrochen und wird darüber geschrieben. Also ist es nicht ganz unriskant, the same old story noch einmal neu zu erzählen. Doja Hacker versucht das im Nachfolger ihres Überraschungserfolgs "Nach Ansicht meiner Schwester". Sie schlüpft in die Haut des sechzigjährigen Ehebrechers, der sich mit einer 35-jährigen Künstlerin einlässt. Die soll ein bisschen frischen Wind in sein routiniertes Dasein als Kaufmann und Familienvater bringen. Das gelingt ihr so gut, dass am Ende das behütete Dasein des Protagonisten in Scherben liegt. Hacker dekonstruiert ihren männlichen Protagonisten gnadenlos, nachdem sie am Anfang durchaus mit viel Sympathie die Dinge aus seiner Sicht geschildert hat. Die Originalität von Hackers spritzigem Debüt erreicht dieser ansonsten recht unterhaltsame Roman allerdings nicht ganz. Was die 42-jährige Doja Hacker mit Leichtigkeit und sanfter Ironie versucht, gelingt dem 61-jährigen Niederländer Jeroen Brouwers mit Besessenheit und Schonungslosigkeit. Sein Icherzähler betrügt seine Frau mit derjenigen seines ehemals besten Freundes und wird seinerseits nicht nur von der eigenen Frau, sondern auch von der Geliebten betrogen, die einerseits ein Verhältnis mit ihrem ehemaligen Professor hat und andererseits ihren Ehemann immer noch liebt. Ihre notorische Untreue rechtfertigt sie in endlosen Telefonaten mit dem Erzähler. "Geheime Zimmer" ist kein handlungspraller Roman, aber das Wenige, was passiert, wird von Brouwers mit großer sprachlicher Wucht präsentiert. Den Protagonisten, der dem Selbstbewusstsein sowohl seiner Frau als auch seiner Geliebten nicht gewachsen ist, konfrontiert er schmerzvoll mit den eigenen Unzulänglichkeiten und lässt ihn sehenden Auges ins Verderben rennen. Das macht die Lektüre dieses sinnlichen Buches (in dem es so gut wie nie um Sex geht) zwar manchmal enervierend, aber auch sehr spannend.

Thomas Askan Vierich in FALTER 4/2003 vom 24.01.2003 (S. 56)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Bin ich böse (Doja Hacker)

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