Bioterror
Die gefährlichsten Waffen der Welt

von Kurt Langbein, Christian Skalnik, Inge Smolek

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: DVA
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 12/2002

Im Gefolge der Ereignisse rund um den 11. September beleuchten ein US-amerikanisches und ein österreichisches Autorenteam die Gefahren biologischer Kriegsführung. Und geben Ratschläge, wie man sich schützen kann.

Der US-amerikanische Präsident betritt den Sitzungssaal im Weißen Haus. Er eröffnet die Sitzung ohne Umschweife: Der Gesundheitsminister hätte ihn soeben angerufen und ihm eine bedrohliche Nachricht überbracht: Zumindest bei einem Patienten in Oklahoma City sei die Verdachtsdiagnose auf echte Pocken bestätigt worden. "Wir müssen davon ausgehen, dass jemand die Krankheit absichtlich verbreitet und dass es sich um einen Bioterror-Angriff auf die USA handelt.
"Zwei Wochen später findet eine weitere Sitzung statt, und die Politiker müssen ihre heillose Überforderung eingestehen: Nachdem in mehreren US-amerikanischen und europäischen Großstädten genetisch modifizierte Pockenviren verbreitet wurden, hat sich die Epidemie über weite Teile der betroffenen Länder verbreitet. Der vorhandene Impfstoff reichte gerade für die erste Woche, das Gesundheitssystem brach wegen Überlastung zusammen. Die 3000 Erstinfizierten steckten weitere 30.000 Personen an. In den folgenden zwei Monaten rechnet man mit weltweit drei Millionen Pockenkranken und einer Million Todesfällen.

Das geschilderte Szenario entstammt einer Übung, die im Juni 2001 auf der Andrews-Luftwaffenbasis in Washington D.C. abgehalten wurde. Das ernüchternde Resümee verfehlte nicht seine Wirkung. Präsident George W. Bush ordnete daraufhin die unverzügliche Herstellung von Pockenimpfstoff für die gesamte US-Bevölkerung an. Das publizistische Echo der Ereignisse des 11. September ließ nicht lange auf sich warten. Koran-Exegesen und Bin-Laden-Biografien verkauften sich in den vergangenen Monaten wie die warmen Semmeln – und auch der Bioterrorismus wurde zum Thema. Ein österreichisches Autorenteam und drei US-Journalisten haben Bücher mit den schaurig klingenden Titeln "Bioterror. Die gefährlichsten Waffen der Welt" und "Virus. Die lautlose Bedrohung" herausgebracht. Das Buch der österreichischen Journalisten ist übersichtlich strukturiert und enthält neben der Charakterisierung des state of the art der biologischen Kriegführung auch einen Serviceteil für den Ernstfall.

Der Band des Teams um Judith Miller von der New York Times ist um einiges umfangreicher – und mit einer gewissen Schlagseite in Richtung Informations- Belletristik. Beide Bände betonen die historische Kontinuität der biologischen Kriegführung. So haben zum Beispiel schon zur Zeit der Antike die Skythen ihre Pfeile mit Mist präpariert, der Tetanus- und Gasbranderreger enthielt. Auch von den Assyrern und Römern weiß man, dass sie sich ähnlich perfider Methoden zur Ausschaltung ihrer Gegner bedient haben. "Virus" verwendet den 11. September noch unverhohlener als verkaufsfördernden Aufhänger, insofern wirkt der am Buchrücken abgedruckte Satz "Ein exzellentes Buch ... Es wird der aufkommenden Panik entgegenwirken" unglaubwürdig – zumal er von der Zeitung stammt, bei der die Autoren angestellt sind. Summa summarum zwei eilig, aber professionell geschriebene Publikationen, die sich in der publizistischen Bedürfnislandschaft zwischen Information und Sensation platzieren.

Robert Czepel in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 25)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Virus (Judith Miller, Stephen Engelberg, William Broad, Susanne Kuhlmann-Krieg)

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