Literatur.digital. Formen und Wege einer neuen Literatur.
Mit CD-ROM

von Roberto Simanowski

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 29/2002

Vor fünf Jahren gaben Stefan Münker und Alexander Roesler mitten in der ersten Aufbruchsstimmung um das World Wide Web den Band "Mythos Internet" heraus. Viel war in dem kulturwissenschaftlichen Reader von unbegrenzten Möglichkeiten und Utopien die Rede. Nach dem Ende der Internet-Euphorie ist im Netz längst der Alltag eingekehrt, den Münker, Roesler und eine Reihe anderer Autoren jetzt in dem Band "Praxis Internet. Kulturtechniken der vernetzten Welt" untersuchen. Grundthese: "Die schnelle Durchsetzung des Internet hat sich als Effekt der Praxis erwiesen." Die Beiträge thematisieren einzelne Bereiche wie Arbeiten mit dem Netz, Internet-Ökonomie, Urheberrechte, Spielen oder Chatten (aus literaturwissenschaftlicher Perspektive) und sind allesamt äußerst informativ und tatsächlich denkbar unspekulativ gehalten.Dass sich längst nicht alle Praktiken im Netz durchgesetzt haben, beweist die wohl kokett gemeinte Frage "Was um alles in der Welt ist digitale Literatur?" auf der Rückseite des Sammelbands "Literatur.digital. Formen und Wege einer neuen Literatur". Rund um die siegreichen Beiträge eines im letzten Jahr von T-Online und dem dtv-Verlag ausgeschriebenen Wettbewerbs für Literatur im Internet (die auf einer beiliegenden CD-ROM versammelt sind) hat Roberto Simanowski einen gut lesbaren Reader zusammengestellt, der Grundlagen über Hypertext und digitale Literatur vermittelt. Leider wird anhand der Gewinner-Texte aber deutlich, wie sehr die Praxis den Modellen und Deutungen der Forscher hinterherhinkt. Denn die wenigsten digitalen Text-Kunstwerke können auf literarischer Ebene überzeugen. Darüber hinaus fehlen diesem Feld des Literaturbetriebs einfach die nötigen Lobbys, Strukturen sowie - nicht zuletzt - eine über die Autoren und Wissenschaftler hinausgehende Leserschaft."Eines Tages legte ich den Bleistift fort und stützte den Kopf in die müde, den Dienst versagende rechte Hand. Mein Blick fiel auf das Papier und auf die vor meinem Fenster ausbrechenden Vulkane", heißt es in "Raoul Tranchirers Reste aus dem Stichwortleben". Das Alltägliche und die Katastrophe wohnen Tür an Tür - das gilt sowohl für Tranchirers absurde Beschlagwortungen der Welt als auch für die Collagen im Stile eines Max Ernst, die Tranchirers Erfinder, Ror Wolf, den enzyklopädischen Ergüssen hinzugesellt hat. Anlässlich des 70. Geburtstags von Wolf ist nun ein Band mit Texten von und über Tranchirer und mit neuen Bildern des Autors erschienen.

Sebastian Fasthuber in FALTER 29/2002 vom 19.07.2002 (S. 58)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Praxis Internet (Stefan Münker, Alexander Roesler)
Raoul Tranchirers Enzyklopädie für unerschrockene Leser (Ror Wolf)

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