Hannah Arendt

von Ingeborg Gleichauf

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Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 12/2000

Schön bunt ist das dtv-Porträt "Hanna Arendt" von Ingeborg Gleichauf, "durchgehend vielfarbig" wie es schon der Umschlag verspricht. Und bunt zusammengewürfelt ist auch die Auswahl des biografischen Materials, mit dem Gleichauf uns diese passionierte Denkerin des Totalitarismus in ihrer "Leibhaftigkeit" vorführen will, und zwar in der "reichen Vielfalt ihres Denkens".
Über Hannah Arendt (1906-1975) und ihre Welt erfahren wir dabei ungefähr so viel, wie wenn man uns erzählen würde, dass Arendt vielerlei gern aß, sowohl allein als auch in Gesellschaft von Freunden, dass aber bedauerlicherweise verborgen bleiben müsse, was Arendt aß. Aufs Essen kommt man bei diesem dtv-Porträt unweigerlich, weil einem lauter unverdaute Brocken aus Arendts Werken und Briefen serviert werden, angerichtet auf einem dicken Brei aus Klatsch und Tratsch. Dieser Brei besteht aus vielen biografischen Zutaten, angefangen von Hannah Arendts an Syphilis dahinsiechendem Vater, in dessen Gestalt ihr bereits als Kind Heideggers Theorem vom "Sein zum Tode" begegnet sei, über die Affären mit Heidegger und Benno von Wiese, die langjährigen Freundschaften mit Jaspers und Jonas sowie die Ehen mit Günther Stern alias Anders und Heinrich Blücher bis zum Tod ihrer Mutter, ihres Mannes und dem ausgeschlagenen Heiratsantrag von W. H. Auden.
Arendts unkonventionelles Denken hingegen ist tatsächlich keine leichte Kost, daher sei von den vielen unverdauten Brocken nur einer der dicksten genannt: Ingeborg Gleichauf "würdigt" Arendts Totalitarismusanalyse auf eine so verquere Weise, dass sie Arendt schließlich als eine Jüdin begrüßen kann, die unbefangen die Wahrheit über die Mitschuld der Juden an den Naziverbrechen zutage gebracht habe. Das könnte im Verein mit der Arendt unterstellten Relativierung der Schuld der Täter den Verdacht wecken, dass hier nicht bloßes Unverständnis am Werke war - wäre nicht die gesamte Biografie so stupend gedankenlos und würde sie nicht ungenießbare Sätze wie den folgenden enthalten: "Nach dem bereits intensiven Marburger Jahr (bei Heidegger) erhöhte sie ihre Denkanstrengungen noch einmal."

Iris Buchheim in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 32)


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