Vögel Österreichs

von Leander Khil

€ 30,90
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Verlag: Kosmos
Format: Taschenbuch
Genre: Ratgeber/Natur/Naturführer
Umfang: 368 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.09.2018

Rezension aus FALTER 51-52/2018

Safran macht den Vogel froh

Freude auf und unter dem Baum: Bücher über Vögel werden heuer zu Weihnachten öfter verschenkt denn je

Hätte jemand noch vor fünf Jahren einem Verleger ein Buch angetragen, das Auskunft darüber gibt, wie man Kichererbsenmehl, Eier, Butter, Mandeln und Honig zu einem schmackhaften Teig für Nachtigallen verarbeitet, hätte der ihn gefragt, ob er einen Vogel hat. Heute liegen Tonnen von „Pasta für Nachtigallen“ („PfN“) auf den Buchhandlungstischen mit der heißen Weihnachtsware.

Das Buch ist allerdings nicht nur ein bibliophiles Schmuckstück für die Beistelltischchen bildungsbürgerlicher Haushalte, sondern repräsentiert ein spannendes Stück europäischer Geistesgeschichte. Es basiert auf dem Buch „Uccelliera“ („Voliere“), das der Anwalt und Ornithologe Pietro Olino 1622 im Auftrag des Gelehrten und Kunstmäzens Cassiano dal Pozzo herausgegeben hatte. Diese „Abhandlung über die Natur und die besonderen Charakteristika verschiedener Vögel“ ist nun in „PfN“ erstmals (teil-)übersetzt worden.

Begleitet wird der Text von Stichen aus dem Original und von den wunderschönen, mit Aquarell- und Deckfarben auf schwarzer Kreide gemalten Bildern von Vincenzo Leonardi, wobei jene diesen als Vorbild dienten.

Die „Uccelliera“ war Ausdruck einer enzyklopädischen Unternehmung und galt Zeitgenossen als „Fundament einer offenen und fortschrittlichen Weltanschauung“. Wobei der Wissenschaftsbegriff damals noch nicht so eng gefasst war wie heute. Olinas Kompendium beschreibt nicht nur das Aussehen und Verhalten der Vögel, sondern gibt zum Beispiel auch Auskunft darüber, dass man die Zeisige mithilfe von Nüssen und Glöckchen handzahm machen kann, dass der Kiebitz „von recht gutem Geschmack und nahrhaft“ ist und dass ein Pulver aus Turteltaubenblut besonders gut gegen Durchfall wirkt.

Wissenschaftshistorisch ebenfalls hochinteressant ist die tatsächlich „Große Vogelschau“ (38 × 27 cm). Initiatoren des ursprünglichen Projekts waren der Rotterdamer Pastor und Gelehrte Cornelis Nozeman sowie der deutschstämmige, in Amsterdam wirkende Kupferstecher Christian Sepp und dessen Sohn Jan Christian. Niemand von ihnen erlebte das Ende des ehrgeizigen Unterfangens, denn die vollständige Erfassung der „Nederlandsche Vogelen“ dauerte ihre Zeit: Zwischen dem ersten eingehenden Vogel (Eichelhäher) bis zum letzten (Höckerschwan), die Nozeman einfach in der Reihenfolge ihres Einlangens verzeichnete – was der Systematik des Buches nicht eben zuträglich war –, verstrichen 59 Jahre. Erst 1829 war das fünfbändige Werk abgeschlossen.

30 von insgesamt 200 Vögeln hat die niederländische Kinder- und Jugendbuchautorin Bibi Dumon Tak aufgenommen und liebevoll mit bekömmlichen Infohappen im Idiom der Gegenwart aufbereitet, die aber immer wieder auf das Original Bezug nehmen: Edutainment at its best. So korrigieren die Texte, mit denen die prächtigen handkolorierten Stiche versehen sind, auch Irrtümer, die den Herausgebern seinerzeit unterlaufen sind. Aufgedeckt wurde einer durch einen äußerst kuriosen Zufall. 2005 war ein Rallenvogel nicht nur in Pastor Nozemans Kirche, sondern auch noch vor dessen Porträt verstorben. Als man das Tier anhand der „Nederlandsche Vogelen“ zu bestimmen suchte, stellte sich heraus, dass man die Wasserralle mit dem Tüpfelsumpfhuhn verwechselt hatte.

Wer den soeben erschienenen Kosmos-Führer „Vögel Österreichs“ von Leander Khil zur Hand hat, ist vor solchen Verwechslungen gefeit. Die Fotos stammen großteils vom Autor und helfen bei der Identifizierung von sage und schreibe 390 Arten. Auf der linken Seite werden ein bis drei Arten vorgestellt (inklusive Karte mit Verbreitung und Verweildauer), die rechte zeigt diese in vier bis zehn verschiedenen Ansichten, die allerdings etwas verwirrend gereiht sind, sodass die richtige Zuordnung nicht immer ganz leicht fällt. Dafür kann man über eine gratis herunterladbare App die Vogelstimmen abrufen.

Ein Musterbeispiel an klarer und eleganter (typo-)grafischer Gestaltung ist der von den Niederländern Paul Böhre (Text) und Joris De Raedt (Zeichnungen) herausgegebene Band „Greifvögel und Eulen“. 32 Arten werden auf je sechs Seiten beschrieben und abgebildet, wobei die brillanten Illustrationen auch ins Detail gehen und etwa einzelne Federn, Eier, Silhouetten und Flugansichten zeigen. Der knapp gehaltene, aber überaus informative Text stellt nicht nur die wichtigsten Fakten bereit, sondern verrät etwa auch, wo man in Amsterdam gute Chancen auf Sperber- oder Sumpfohreulensichtungen hat: in der Fichte hinter dem Tropenmuseum bzw. am Flughafen Schiphol.

Zum Abschluss noch ein Hinweis für Menschen, die das weihnachtliche Keksebacken mit der Herstellung von PfN kombinieren wollen: „Im Winter muss man – damit die Speise erwärmend und appetitanregender wird – auch Safran im Wert einer kupfernen Baiocco-Münze hinzufügen. So wird der Vogel lebensfroher.“

Klaus Nüchtern in FALTER 51-52/2018 vom 21.12.2018 (S. 47)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Greifvögel und Eulen (Paul Böhre, Joris De Raedt, Joris De Raedt)
Pasta für Nachtigallen (Giovanni Pietro Olina, Anke Wagner-Wolff, Helen Macdonald)
Bibi Dumon Taks große Vogelschau (Bibi Dumon Tak, Meike Blatnik)

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