Power
Die 48 Gesetze der Macht

von Robert Greene, Thomas Eder

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 41/1999

Ein neuer Sachbuch-Bestseller verspricht der Form nach machiavellistische Managementtipps. Der Inhalt entspricht dem nur zum Teil.

Eines vorweg: Das Buch "Power. Die 48 Gesetze der Macht" von Robert Greene kommt zwar ein bisschen daher wie eines jener superhypen Dinger, die jedem aussichtslosen Buchhalter die Aussicht auf ungeahnte Höhen des Managements vorgaukeln. Aber diese Anmutung ist, schon ein einziger Blick ins Innere des Bandes schafft Klarheit, in Wahrheit allerhöchste Ironie.
Das Buch bedient sich zwar typografischer Anklänge an die Welt der Management-Literatur. So ist es zweifarbig gedruckt, mit durchgehenden roten Titeln und Marginalien; aber diese Marginalien, die das ganze Buch schmücken, sind nicht – wie sonst im Genre üblich – ein knapper Auszug, der die Lektüre spart, sondern zumeist bestehen sie aus umfänglichen Zitaten, die die Lektüre nur bereichern. Am Ende jedes Kapitels finden sich – ebenfalls farbig – Zusammenfassungen, die die Gestalt von typografischen Kunststücken annehmen und das im Kapitel zuvor Gesagte noch einmal symbolhaft verdichten. Nutzwert, dieser Unstern weiter Teile moderner Buchproduktion, sieht anders aus.
Greene ist kein Manager, sondern studierter Literaturwissenschaftler und Dramatiker, Essayist und Drehbuchautor von Beruf. Er hat keine praktischen Ratschläge im Sinn (obwohl sich die zwangsläufig ergeben), sondern die ästhetische Darstellung des Themas Macht. Insofern trifft es nicht zu, wenn man sein Buch einen "Machiavelli unserer Zeit" oder Ähnliches nennt. Denn obwohl seine Zusammenfassung sich auch auf Machiavelli stützt und obwohl die Kapitel sogar in Form von Maximen daherkommen, zielt das Buch auf alles andere denn auf Anleitung zum Machtgebrauch.

Für analytische Beobachtungen taugt das Brevier indes allemal: Die Karriere des machtgeilen, mächtigen Rechtspopulisten etwa, der zur Zeit in aller Munde ist, erschließt sich mühelos anhand von Kapiteln wie: "Erschaffe dich neu", "Befriedige das menschliche Bedürfnis, an etwas zu glauben, und fördere einen Kult um deine
Person", "Spiele mit den Träumen der Menschen", "Inszeniere packende Schauspiele", "Vernichte deine Feinde vollständig" oder "Versetze andere in ständige Angst: Kultiviere die Aura der Unberechenbarkeit".
Ein Mächtiger freilich bzw. einer, der am Weg dazu ist – so viel möchte ich dem Buch als 49. Gesetz hinzufügen –, hat gar nicht die Zeit, dieses umfassende Werk mit einem Umfang von über 500 Seiten gründlich zu studieren. Diese Gewissheit verschafft vielleicht am meisten Beruhigung. Umso mehr Lesevergnügen und reiches Material zur Selbst- und Weltbeobachtung bringt es uns anderen.

Armin Thurnher in FALTER 41/1999 vom 15.10.1999 (S. 27)


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