Windy erzählt

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser, Carl
Genre: Belletristik
Erscheinungsdatum: 02.08.1999

In Windys Salon hat sich der Professor, ein langjähriger Stammkunde, gerade zurechtgesetzt. 'Noch kürzer?' fragt Windy. 'Wollen Sie wirklich aussehen wie ein Marinesoldat, Herr Professor? Was haben Sie gegen Ihre Haare?' Windy schneidet und plaudert dabei über Gott und die Welt. Von dem Dekan im Rollstuhl, der angeblich mit einem Splitter im Unterleib aus dem Vietnamkrieg zurückgekehrt ist, und von Richter Caldwell, der hinter allen jungen Mädchen her war, bevor er einen Schlaganfall bekam. Von ihren beiden Männern, Seth, der im Gefängnis landete, und Walter, der eines Tages mit dem Wohnmobil auf und davon ist und sie mit den beiden Mädchen sitzenließ. Von einem Tornado, den sie selbst nur knapp überlebt hat, und von Blue Hole, einem tiefen Loch im Fluß, das in die Unterwelt führen soll. Man sagt Windy nach, sie habe das Zweite Gesicht, und schon als Kind, nach dem Tod ihres Vaters, hat sie Engel gesehen. Sie entführt den Professor und uns aus einem sehr realen Frisiersalon in ein merkwürdiges, rätselhaftes Zwischenreich, sie zieht uns hinein in schwindelerregende Vorfälle, existentielle Fragen und unterirdische Zusammenhänge. Ein Buch von so suggestiver Kraft wie Die Sache mit dem Hund. Lars Gustafsson wurde 1936 in Mittelschweden geboren. Der Lyriker, Philosoph und Romancier lebt heute in Austin / Texas. Im Hanser Verlag erscheint sein Gesamtwerk, zuletzt Geheimnisse zwischen Liebenden (Roman, 1997) und Ein Vormittag in Schweden (Ausgewählte Gedichte, 1998).

Rezension aus FALTER 45/1999

Haarig geht es auch in "Affenmensch und Menschenaff" zu, einer Sammlung von 21 Texten zum Thema "Der Affe in der Literatur". Zum Beispiel die Geschichte "Diderot in Petersburg", erzählt von Sacher-Masoch: Diderot will Katharina II. erobern. Ihre Gunst kann er nur gewinnen, wenn er ihr einen sprechenden Affen vorführt. Die philosophische Lösung: Diderot lässt sich in ein Fell einnähen und tritt als Affe vor die Kaiserin.Über Gott und die Welt reden - was genau mit dieser Redewendung gemeint ist, ist in "Windy erzählt", dem neuen Buch von Lars Gustafsson, nachzulesen. Zuerst heisst es Platz nehmen: In Windys Frisiersalon sitzt gerade der Herr Professor und bekommt einen neuen Haarschnitt, Windy wuselt hinter dessen Rücken umher, schneidet dem Professor die Nacken- und Stirnhaare und brennt ihm möglicherweise mit ihrem Dauergerede den Nackenspeck weg. Die Sitzung mit dem Professor dauert das ganze Buch lang, nicht einmal kommt dieser dabei zu Wort. Windy schneidet und redet und redet und redet: über ihren Ehemann, der wegen Brattfett-Diebstahls verknackt wurde, über Bücher mit Titeln wie "Geh leise! Sprich nicht mit den Fliegen" (des Dichters Kopf hat sie schon frisiert), über Dinge, die sie vom Hörensagen oder aus dem Discovery-Channel kennt. Manchmal unterbricht sie sich in ihrem verbalen Geplätscher gleichsam selber, wenn sie beispielsweise fragt: "Glauben Sie denn, die Welt wird besser, wenn es möglich ist, genauso vorwärts zu gehen wie rückwärts?" Ein Gedanke! Sie hält kurz inne, sehr kurz: "Ach - es gibt doch immer wieder etwas Interessantes." Und Windy wird es gnadenlos finden. Über Gott und die Welt reden bedeutet: von Windys Händen einen Haarschnitt verpasst zu bekommen und einen 131 Seiten langen Monolog mit Genuss zu lesen. Und seinem Stammfriseur treu zu bleiben.

Wolfgang Paterno in FALTER 45/1999 vom 12.11.1999 (S. 74)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Affenmensch und Menschenaff (Margit Knapp)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb