Geheime Botschaften
Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internet

von Simon Singh, Klaus Fritz

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 12/2000

Simon Singh, Autor des preisgekrönten Mathematikbestsellers "Fermats Letzter Satz", hat ein Buch über die Geschichte der Kodierung und Dekodierung geheimer Botschaften geschrieben. Wussten Sie, dass die schottische Königin Maria Stuart Geheimschriften benutzte? Bekannter dürfte sein, dass eine Hand voll britischer Mathematiker im Zweiten Weltkrieg den "Enigma"-Code der deutschen Wehrmacht knacken konnten. Seit der Antike benutzen Menschen Codes, um ihre Geheimnisse zu wahren. Einfallsreichen Verschlüsselern, die nach dem unentzifferbaren Super-Code suchen, stehen nicht minder begabte Codebrecher gegenüber. Wer wird den "evolutionären Kampf", von dem der britische Wissenschaftsautor Simon Singh in seinem neuen Buch schreibt, am Ende gewinnen?
Jahrhundertelang war die Kryptographie, die Kunst der Verschlüsselung, ausschließlich Sache von Militärs und Geheimdiensten. Doch im digitalen Zeitalter wird Geheimhaltung zum Bürgeranliegen. "Die Verschlüsselung ist die einzige Möglichkeit, unsere Privatsphäre zu schützen und den Erfolg des digitalen Marktes zu gewährleisten", schreibt Singh: "Die Kunst der geheimen Kommunikation, auch als Kryptographie bezeichnet, wird die Schlösser und Schlüssel des Informationszeitalters bereitstellen."
In seinem Buch "Geheime Botschaften" beschreibt Singh die Entwicklung kryptographischer Methoden von Chiffrierscheiben über Linear-B bis zur Public-Key-Kryptographie. Moderne Verschlüsselung beruht auf mathematischen Methoden. Im Prinzip verwendet man Operationen, die sich nur schwer und mit großem Aufwand umkehren lassen. Das RSA-Verfahren beispielsweise verdankt seine Stärke dem Umstand, dass es bis heute kein effizientes Verfahren gibt, um sehr große Zahlen in ihre Primfaktoren zu zerlegen. Bei Zahlen mit mehreren Hundert Stellen würde eine Faktorisierung kosmische Zeiträume beanspruchen.
Das Computerzeitalter stellt die Kryptologen jedoch vor ernste Herausforderungen. Immer schnellere Rechner bedrohen die Sicherheit gängiger Verschlüsselungsverfahren. Mithilfe eines Quantencomputers, vorläufig noch technologische Zukunftsvision, ließen sich alle Geheimnisse dieser Welt bloßlegen. Doch der neue superschnelle Rechner munitioniert auch die Gegenseite auf, die Verschlüsseler: Quantenkryptographie, basierend auf dem Unschärfeprinzip der Quantenphysik, würde eine Verschlüsselung ermöglichen, die nach dem Stand der Wissenschaft tatsächlich nicht zu brechen ist.
Der gelernte Physiker Singh versteht es, schwierige mathematische Zusammenhänge in einer Laien zugänglichen, spannenden Form darzustellen, ohne sie zu trivialisieren. Bei mathematischen Themen ist das eine Leistung, die kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. Singhs 1998 erschienener Bestseller "Fermats Letzter Satz", der vom jahrhundertelangen Kampf um den Beweis einer mathematischen Vermutung handelt, wird deshalb auch von Fachleuten anerkannt. Doch im Gegensatz zu dem Fermat-Buch ist "Geheime Botschaften" kein intellektueller Thriller geworden.
Gewiss, auch das neue Buch ist gut recherchiert, klar und verständlich geschrieben. Doch während die Stärke von "Fermats Letzter Satz" darin bestand, die Aufbereitung eines esoterischen mathematischen Erkenntnisprozesses zu einem packenden Denkabenteuer zu machen, ist "Geheime Botschaften" eher eine Methodengeschichte geworden: Da stellt sich bei der Lektüre mitunter die Frage, ob man über die Entwicklung der einzelnen Methoden wirklich so genau Bescheid wissen will. Hingegen kommt die politische Kryptographie-Debatte beim Physiker Singh, vor allem in Relation zum technischen Teil, zu kurz.
Seit die Internet-Generation Verschlüsselung als eine Art Bürgerrecht postuliert, ist Kryptographie zu einem kontroversiellen politischen Thema geworden. Der US-Programmierer Phil Zimmerman, der sein Verschlüsselungsprogramm Pretty Good Privacy (PGP) ins Netz gestellt hatte, wurde zeitweilig sogar vom FBI verfolgt, ehe er sich schließlich juristisch durchsetzen konnte. Es ist Singh freilich zu danken, dass er bei den Fakten bleibt und nicht Verschwörungstheorien Vorschub leistet.
Gerade das Thema Kryptographie weckt auch paranoide Vorstellungen. Können die Geheimdienste, die in ihren Krypto-Abteilungen die besten Mathematiker beschäftigen, nicht schon längst alle vermeintlich geheimen Nachrichten dechiffrieren? Hat die National Security Agency, die supergeheime Horch- und Spähstation der USA, in Wahrheit längst einen Quantencomputer gebaut? "Durchaus möglich", meint Singh trocken.Es war ein Mathematiker, der maßgeblich zur militärischen Wende im Zweiten Weltkrieg beitrug: Der geniale Wissenschaftler Alan Turing, dessen Arbeiten die Grundlagen für die Entwicklung des Computers schufen, gehörte zu jenen Experten, die im Auftrag der britischen Regierung im streng geheimen Forschungszentrum Bletchley Park an der Entschlüsselung des "Enigma"-Codes der deutschen Wehrmacht arbeiteten. Autor Michael Smith, selbst früher Mitglied des britischen Geheimdiensts, zeichnet anhand detaillierter Recherchen und mit eindrucksvollem Bildmaterial den Coup der Truppe von Bletchley Park nach, die den Code letztlich knacken und damit die Geheimbotschaften der deutschen Wehrmacht dekodieren konnte.

Thomas Vasek in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 31)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Enigma entschlüsselt (Michael Smith, Helmut Dierlamm)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb