Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter

von Keith Campbell, Ian Wilmut, Colin Tudge, Hainer Kober

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Die Väter des ersten Klonschafs erzählen von dessen schwieriger Zeugung - und denken über das biotechnische Zeitalter nach.

The Second Creation. Der englische Titel des Buches bringt es auf den Punkt. Mit der Geburt des Klonschafs "Dolly" im Jahr 1997 war etwas gelungen, das allen bisherigen biologischen Lehrmeinungen zuwiderlief - nämlich die genetische Kopie eines erwachsenen Säugetiers. Diese "zweite Schöpfung" habe das Zeitalter der biologischen Kontrolle eingeläutet, meinen nun die Väter von "Dolly", Ian Wilmut und Keith Campbell: Das gentechnisch Machbare werde künftig nur mehr durch die Gesetze der Physik, der Logik und das moralische Empfinden der Gesellschaft begrenzt.

Bevor sie zu solchen weit reichenden Schlussfolgerungen kommen, berichten die beiden Forscher, unterstützt vom Wissenschaftsjournalisten Colin Tudge, wie sie sich gefunden und ihre Ideen weiterentwickelt haben, ehe sie auf verschlungenen Wegen schließlich zu "Dolly" gelangten. Zugleich erzählen sie ein Stück Wissenschaftsgeschichte, beginnend mit den frühen Tagen der Embryologie im 19. Jahrhundert, und verpacken darin alles, was man zum biologischen Verständnis des Klonierens wissen muss. (Ob das Lehrstück gelungen ist, kann die neugierige Leserschaft übrigens anhand des Originalartikels aus dem Wissenschaftsjournal Nature testen, in dem zuerst über "Dollys" Geburt berichtet wurde.)

Die Schilderungen der Forscher liefern aber auch ein eindrückliches Bild des modernen Wissenschaftsbetriebes. Dolly war eine Sensation, davor lagen aber lange Jahre harter Laborarbeit und langweiliger Routine. Warum die Forscher trotzdem weitermachten, hatte oft genug auch unwissenschaftliche Gründe: Der Engländer Ian Wilmut zum Beispiel hatte sich Anfang der Achtzigerjahre so sehr an das schottische Hochland gewöhnt, dass er mit seiner Familie nicht wieder von dort wegziehen wollte. Also blieb er ohne konkrete Vorstellung und Pläne bei dem, was er schon bisher getan hatte: nämlich die Eizellen von Schafen zu präparieren. Erst als er Keith Campbell Anfang der Neunzigerjahre in sein Team aufnahm, war die Zeit reif für neue Ideen

Damals stand bloß wissenschaftlicher Erkenntniszuwachs im Zentrum des Interesses. Mittlerweile wurden in der biowissenschaftlichen Forschung die wirtschaftlichen Verflechtungen aber immer wichtiger, deren Vor- und Nachteile die Autoren aus erster Hand beschreiben: Wurde die Geburt "Dollys" als Beweis des bis dato für unmöglich gehaltenen Machbaren noch in der Wissenschaftszeitschrift Nature publiziert und damit frei zugängliches Wissen, werden heute von den meisten neueren Entwicklungen der Klonforscher Details erst nach der Patentvergabe bekannt gegeben. Schließlich sind die Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technik (vom therapeutischen Klonen über Stammzellen und Pharming bis hin zur Gentherapie) riesig, ist der mögliche Profit scheinbar grenzenlos.

Von "Dollys" Geburt an mit der Frage konfrontiert, ob sich so auch der Mensch klonen ließe, beschäftigen sich die drei Autoren am Ende des Buchs schließlich auch noch mit der Fortpflanzungsmedizin beim Menschen. Angesichts der vollmundigen Ankündigungen klonwütiger Humanmediziner, wirken die Überlegungen der "Dolly"-Väter zu diesem brisanten Thema geradezu wohltuend besonnen: Zumindest wenn es nach Ian Wilmut und Keith Campbell geht, sollten die Menschen von der zweiten Schöpfung ausgenommen bleiben.

Birgit Dalheimer in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 25)


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