Liebe bis aufs Blut
Geschichten über die Eifersucht

von Uwe-Michael Gutzschhahn

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 47/2001

Was bringt, was beweist der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb? Bündig lässt sich diese Frage nicht beantworten. Die Teilnahme als solche garantiert für nichts, und selbst preisgekrönte Autorinnen und Autoren können hinsichtlich Wertschätzung und Erfolg hinter jene zurückfallen, die unausgezeichnet blieben. Nach einer Besprechung eines Bandes mit den 25 Texten, die bislang den Hauptpreis erringen konnten ("Best of Bachmann?" von Konstanze Fliedl im Falter 46/01), überprüft der Falter diesmal die aktuellen Publikationen von Wettbewerbsteilnehmern der letzten zehn Jahre. Fortsetzung folgt.


Ein Kracher die Umschlaggestaltung: Die augenblicklich einsetzenden Assoziationskaskaden umspülen die drei großen Stilkontinente Bravo Girl, Benjamin Blümchen und Sarah Kay. Der Titel ist auch nicht ohne: "Liebe bis aufs Blut". Neun junge und jung gebliebene deutsche Schriftstellerinnen erzählen "Geschichten über die Eifersucht". Na dann. Die Zeit-Kolumnistin und Filmemacherin Maike Wetzel eröffnet mit "Gras und Rüben", einer rauen, starken und sehr sexy trostlosen Geschichte, deren Sprache so dürr und klapprig ist wie Flip, der Metzgersohn. In den verschaut sich die Icherzählerin, doch dann ist plötzlich Karla da, und kaum ein paar Zeilen weiter sind Karla und Flip auch schon "ein in sich geflochtener Zopf, die beiden". Aber warum nur Karla, Flip? "Du stinkst." Auf diesen beeindruckend direkten Opener folgt dann allerdings ein putziges Bridget-Jones-Angelegenheitchen der Berlinerin Tanja Dückers, die 1999 mit "Spielzone" passabel im Romanfach debütiert hat. "Lolo" hingegen liest sich wie eine mit 4:3 Jurystimmen abgelehnte Brigitte-Kurzgeschichte.

Silvia Szymanski, die 1998 beim Bachmannwettbewerb mit großem Pech leer ausging, lässt in "Raffael, Mustafa, Gerd, Heinz und Kurt" ihre Protagonistin Silvia mit reichlich schlechtem Gewissen ihren promiskuitiven Neigungen nachgehen, hoffend auf ein jenseitig-verzeihendes "Du darfst". Jenny Erpenbeck belegte heuer beim Bachmannwettbewerb den zweiten Platz ("Preis der Jury"). Ihr Beitrag "Atropa Bella-Donna" entpuppt sich allerdings in seiner umständlichen Melodramatik als dem Titel adäquat. Selbiges gilt auch für "Deine Finger reichen nicht bis November" der Bachmannpreisträgerin von 1992, Alissa Walser. Passagen wie "Ich kaufte das Kleid, dass es mich probieren konnte. Perfekt: der brüchige Tüll. Steht um meine Schultern wie uraltes Felsgestein um ein Nest junger Falken" oder "IHRE Augen Muschelschalen längst aus- und an andre Strände gespülter Genüsse" stellen Walsers Stilsicherheit doch stark infrage.

In Geschichte Nummer acht erzählt Zoe "Blütenstaubzimmer" Jenny (1997 in Klagenfurt mit dem 3sat-Stipendium bedacht) schließlich von "Sophies Sommer" - ein belletristisches Idyll, "nach Kamille duftend". Und Judith Hermann finalisiert mit "Zigaretten" mit Anstand. Ja.

Stefan Ender in FALTER 47/2001 vom 23.11.2001 (S. 70)


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