Suche nach dem Bauplan des Lebens
Evolutionstheorien, Gentechnik, Hirnforschung

von Gerhard Staguhn

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 41/2001

Wissenschaftler können in drei Guppen eingeteilt werden. Eine Gruppe bilden jene, die Bleibendes für die Nachwelt produziert haben und deshalb schon zu Lebzeiten zu Stars werden. Das sind die Prototypen der Scientific Community, Genies wie Isaac Newton, Charles Darwin oder Albert Einstein. Dann gibt es die ganz normalen Wissenschaftler, die weder Bleibendes geleistet haben, noch Stars geworden sind. Und dann gibt es noch die Revolutionäre im Hinterzimmer, die ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse nie in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen konnten und so erst posthum zu Berühmtheiten wurden – wenn überhaupt. Zu dieser Kategorie gehört der Brünner Augustinermönch Gregor Mendel, der stille Begründer der modernen Genetik, über den die US-amerikanische Wissenschaftsjournalistin Robin Marantz Henig nun ein Buch geschrieben hat. "Der Mönch im Garten" ist ein echter Infotainmentband: gut recherchiert, aber mit starker Schlagseite zum Atmosphärischen. Wer also auch an den Gründen für Mendels Übergewicht interessiert ist, kommt auf seine Kosten: Zu einem typischen Mendel-Mittagessen "gehörten Erbsensuppe, Schweinskotelett mit grünen Erbsen, Salzkartoffeln und ein saftiger Strudel; nachmittags reichte man Kaffee, Biskuitkuchen, Hörnchen, Sahnerollen, Likör " Neben dem Essen hatte Mendel noch Zeit zum Forschen. Auch hier spielten die Erbsen eine wichtige Rolle. Seine "Versuche über Pflanzenhybriden" an der Gattung Pisum wären für Charles Darwin ein eminent wichtiger Baustein zum Aufbau einer korrekten Vererbungstheorie gewesen. Leider hat Darwin, wie viele andere, die Arbeit nicht gelesen. Mendels Ergebnisse hätten im 19. Jahrhundert ein wichtiges Problem gelöst: Damals nannte man die Vererbung noch blended inheritance und stellte sich die Vermischung zweier Erbanlagen wie das kontinuierliche Mischen zweier Flüssigkeiten vor. Mendel hat damals schon gezeigt, dass Vererbung auf bestimmbaren Einheiten beruht: den Genen, wie sie später von W.L. Johannsen genannt wurden. So musste man noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts warten, bis Correns, Tschermak und de Vries zeitgleich die Mendelschen Ergebnisse wiederentdeckten – und der modernen Genetik zu einem Siegeszug verhalfen, der bis heute andauert.Vor einigen Jahren titelte ein äußerst buntes und mittlerweile verschwundenes österreichisches Kleinformat: "Österreich muss genfrei bleiben!" Freilich bedeutete die konsequente Umsetzung dieser Forderung, dass sämtliches Leben in diesem Land ausgelöscht werden sollte. Das wird wohl nicht ganz die Intention der verantwortlichen Redakteure gewesen sein. Aufklärung tut also Not, wenn man die genaue Bedeutung von Begriffen wie "DNS-Analyse", "Kloning" oder "Genom" herausfinden will. Zu diesem Behufe kann man ein populärwissenschaftliches Buch zur Hand nehmen. Gerhard Staguhn hat ein solches geschrieben. "Die Suche nach dem Bauplan des Lebens" tritt mit dem Anspruch auf, den Leser eingehend über die "neuesten Erkenntnisse über das menschliche Leben und unsere Zukunft" zu informieren. Die Kapitelüberschriften sind in der Tat beeindruckend: Von der Entstehung des Lebens über die Evolutionstheorie bis hin zur Hirnforschung bleibt kein aktuelles Thema der Biologie unbehandelt. Allerdings würde man sich wünschen, dass die Kapitel etwas länger als nur zwei oder drei Seiten wären. Staguhn hat zuvor zwei Sachbücher zum Thema Kosmologie und Chemie geschrieben, die im Hanser Jugendverlag erschienen sind. Mit der "Suche nach dem Bauplan des Lebens" ist nun seine Trilogie abgeschlossen, die "für jedes Alter" – so der Verlag – geeignet ist. Ganz besonders wohl für kleinformatige Redakteure und andere Personen, die für "Genfreiheit" eintreten.

Robert Czepel in FALTER 41/2001 vom 12.10.2001 (S. 26)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Der Mönch im Garten (Robin Marantz Henig, Andrea Stumpf, Gabriele Werbeck)

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