Die Sequenz
Der Wettlauf um das menschliche Genom

von Kevin Davies, Klaus Fritz, Anja Hansen-Schmidt

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 41/2001

Kampf ums Genom

"Die Sequenz" nennt sich Kevin Davies' packende Darstellung des wissenschaftlichen Wettrennens zwischen Craig Venter und dem Human Genome Project.

Frühjahr 1953. Zwei junge Wissenschaftler aus Cambridge schicken ein kurzes Manuskript an den Herausgeber des Wissenschaftsmagazins Nature. Der Artikel beginnt mit den bemerkenswerten Sätzen: "Wir möchten eine Struktur für das Salz Desoxyribonukleinsäure (DNA) vorschlagen. Diese Struktur besitzt neuartige Eigenschaften, die von beträchtlichem biologischem Interesse sind." Der Artikel wird angenommen und gerät zur Weltsensation. Die beiden Wissenschaftler, James Watson und Francis Crick, hatten die Struktur der DNA aufgeklärt und damit die molekulare Revolution der Biologie eingeläutet. Die bescheidenen Eingangssätze erweisen sich heute als virtuoses Spiel auf der Klaviatur des Understatements; ihr Resonanzkörper ist die Biologie des nächsten halben Jahrhunderts.

Watson und Crick bekamen für ihre epochemachende Entdeckung den Nobelpreis, doch den Preis für das gelungenste scientific understatement des Jahrhunderts müssen sie mittlerweile teilen: In Nature Nr. 409 des Jahres 2001 erschien ein 62 Seiten starker Artikel eines Autorenkollektivs, das für die Sequenzierung des menschlichen Genoms verantwortlich zeichnete. Geschrieben von einem gewissen Eric Lander, der offensichtlich bemüht war, die beiden Ritter der Doppelhelix punkto verbaler Zurückhaltung zu übertrumpfen. In der Einleitung lesen wir eine Neuversion der mittlerweile klassischen Formel von 1953: "Die Sequenz des menschlichen Genoms ist in mancher Hinsicht von Interesse." Und natürlich, auch diesmal ist es wieder eine große Untertreibung.

Doch genug der Bescheidenheit (manche halten sie ja ohnehin für die schlimmste Form der Eitelkeit). Nicht alle Wissenschaftler sind mit solch verhaltener Mentalität ausgezeichnet - sei sie nun gespielt oder nicht. So zum Beispiel Craig Venter, ein hemdsärmeliger US-amerikanischer Selfmademan, der im Rennen um die Sequenzierung des menschlichen Erbguts den Elefanten im genetischen Porzellanladen mimte.

Als zu Beginn der Neunzigerjahre das staatliche Human Genome Project (HGP) ins Leben gerufen wurde, ahnte noch niemand, dass Venter einige Jahre später dem Forscherkollektiv den Krieg erklären würde. Im Mai 1998 kündigte Venter an, dass er bzw. seine Firma Celera mittels einer neuen Technik die Basensequenz des menschlichen Genoms weit vor dem angekündigten Termin aufklären würde. Damit war der Startschuss für ein spannendes Rennen um drei Milliarden Basenpaare gegeben. Venter entschied das Rennen 2001 per Zielfotoentscheid für sich - und düpierte damit die riesige Forschertruppe um Eric Lander und Francis Collins, dem Leiter des HGP.

Diese Geschichte aus der Welt der DNA-Tüftler ist nun in Kevin Davies' "Die Sequenz" nachzulesen. Der Buchtitel könnte von John Grisham sein - und wie ein Krimi liest sich das Buch auch. Denn: Davies versteht als ehemaliger Molekularbiologe und Gründer von Nature Genetics sein Geschäft. Mit Fachkenntnis schildert er, wie Watson und Crick den genetischen Stein von Rosetta bargen und fünfzig Jahre später die Buchstaben durch Craig Venter & Co. sichtbar wurden. Freilich versteht man heute neben der Buchstabenfolge bestenfalls einige Wörter aus dieser Codesequenz. Also, Craig: Ärmel aufkrempeln und auf die Suche nach dem Sinn der ganzen Botschaft gehen! Teil zwei des Buches folgt vermutlich nach weiteren fünfzig Jahren.

Robert Czepel in FALTER 41/2001 vom 12.10.2001 (S. 26)


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