In Amerika
Roman

von Susan Sontag

€ 25,60
Lieferung in 2-7 Werktagen

Übersetzung: Eike Schönfeld
Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Geschichte/Sonstiges
Umfang: 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.2002

Eine berühmte polnische Schauspielerin wird zur amerikanischen Diva: Maryna Zalezowska emigigriert im Jahr 1876 mit einer Gruppe europamüder Polen ins Gelobte Land Amerika, um ein neues Leben zu finden. Die Begegnung zwischen der Alten und der Neuen Welt erweist sich jedoch nicht als einfach …

Rezension aus FALTER 12/2002

Susan Sontag begibt sich ins 19. Jahrhundert auf die Spur polnischer Auswanderer.

"Aber Sie wissen ja, wie das ist. (...) Man heiratet nicht den Mann, den man liebt.' – ,Das tut mir leid zu hören', sagte Maryna." Maryna Zalezowska ist die Heldin in Susan Sontags neuem Roman "In Amerika". Ihr Mitgefühl gilt einer Frau im Polka Saloon auf der C Street von Virginia City. So wild war Amerika anno 1876. Nun stellt sich die Frage, wie eine amerikanische Schriftstellerin in die Haut einer polnischen Schauspielerin kommt, die mit Mann, Kind und jugendlichem Verehrer ihr Heimatland Richtung Amerika verlassen hat. Die Antwort darauf wird im ersten Kapitel, das den Titel Null" trägt, beantwortet. "Unschlüssig, nein, zitternd platze ich in eine private Gesellschaft, die sich im Speisesaal eines Hotels versammelt hatte." Die Autorin begiebt sich aus dem zwanzigsten Jahrhundert als unsichtbarer Gast ins neunzehnte zu einem Diner und trifft dort jene Leute, die sie zu den Hauptfiguren ihrer Erzählung machen wird. Sie bleibt im Verborgenen, beginnt jedoch, den Unbekannten Namen zu geben. Die Schauspielerin nennt sie Maryna, ihren Mann Bogdan, den Verehrer Ryszard. Man wartet gespannt, wie sich der Geist der Autorin vor den Dinierenden bemerkbar machen wird, doch dann geht das Kapitel zu Ende. "Mit bebender Erwartung beschloss ich, ihnen in die Welt hinaus zu folgen." Und den Leser zieht sie mit. Maryna, in Krakau geboren, von einem deutschen Untermieter ihrer Mutter verführt, mit einem Kind gesegnet und zum Theater gebracht, begegnet uns im zweiten Kapitel, das "Eins" heißt, als erfolgreiche Schauspielerin: nicht zu zickig, ein wenig abwesend – das Fachwort für ihren Gemütszustand lautet wohl ennui. Diese Stimmung wird auch dem Leser rasch vertraut. Auf den polnischen Bühnen feiert Maryna Triumphe mit Shakespeare und Schiller. Doch das Stadtleben geht ihr auf die Nerven, sie zieht sich den Sommer über in das Bergdorf Zakopane zurück und macht es damit unfreiwillig zur Sommerfrische der besseren polnischen Gesellschaft. "Am Abend dann, nach dem Abendessen aus Sauerkrautsuppe, Hammel und Salzkartoffeln, wurde vorgelesen. Shakespeare. Was konnte gesünder sein?" Amerika natürlich. Zuerst fährt der jugendliche Verehrer Ryszard, um einen geeigneten Ort zu finden. Der Dampfer heißt S.S. Germanic – Autoren lieben solche Funde während ihrer Recherche so sehr, dass sie diese dem Leser einfach nicht ersparen können. Das Schiff ist die Nachfolgerin der S.S. Atlantic, die 1873 mit 546 Passagieren vor Nova Scotia gesunken war. Übrigens kurz nach der Deutschland. Die Überfahrt bleibt ohne aufregende Ereignisse, doch versichert uns die Autorin: "Ein Schriftsteller ist niemals gelangweilt, muss es niemals sein – glückliche Begabung!" So seufzt auch der Leser.

Kapitel "Vier" besteht aus Marynas Briefen, die sie während ihrer Überfahrt an einen in Polen zurückgeblieben älteren Verehrer schreibt. Hier erklärt sie ihr Motiv für die Auswanderung: Sie will in Amerika "nur ein Niemand werden". Das allerdings wird ihr nicht gelingen. Nach einem kurzen, erfolglosen Gastspiel als Farmerin ("sie fegte gern") kehrt sie zum Theaterspiel zurück und geht auf Tournee. Dabei kommt ihr Ryszard näher. Dann jedoch, in Virginia City, nach dem Abend mit der schlecht verheirateten Frau im Polka Saloon und nachdem sie im Hotel miteinander geschlafen haben, stellt er "die Frage, die Ryszard sich seit Tagen hatte stellen hören. Die Frage." Und wie lautet die Frage? "Du wirst nicht wollen, dass ich bei dir bleibe, stimmts?" Maryna spricht dem Leser aus dem Herzen: "Nein." Hier erlischt eine Liebe und mit ihr das Interesse des Lesers für das weitere Schicksal von Maryna und ihren Begleitern. Es war eh nur mit Mühe bis zu diesem Punkt aufrechtzuerhalten. Der Vollständigkeit halber: Das Schicksal meint es nicht schlecht mit der Theatertruppe – so heißt es zum Schluss: "Vor uns liegt eine lange Tournee." Und ein National Book Award für die Autorin. Der Ennui scheint eine amerikanische Leidenschaft geworden zu sein.

Christian Zillner in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 18)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb