Mozarts Friseur

von Wolf Wondratschek

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Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.03.2002

Der Friseursalon als Panoptikum. Eine furiose Erzählung über die Kunst des Haarschneidens, über Mozarts Perücke und eine Reihe von Sonderlingen, zu denen auch Thomas Bernhard gehört. Wondratschek beschreibt den Friseursalon als Ort der Verwandlung: Auf jeden Fall verlässt ihn keiner so, wie er ihn betreten hat.

Rezension aus FALTER 11/2002

Friseure und Friseurinnen reden gemeinhin viel und ausgiebig. Das war so in Lars Gustafssons kurzem Roman "Windy erzählt" (1999), in dem die Friseurin Windy ihrer Kundschaft gleichsam den Hinterkopf mit ihrer schneidigen Stimme rasierte.

Das ist auch so beim Münchner Promi-Figaro Gerhard Meir, der sich erst jüngst als heimlicher Dichter zu erkennen gab und den Roman "Der Salon" vorlegte. Meir handelt jeden Freitag im Magazin der Süddeutschen Zeitung in einer Kolumne wortreich über die "Warenwelt": Dabei vergibt Meir für Produkte, die niemand braucht, auf einer "Genussskala von null bis zwölf" Punkte.

Maximal vier Genusspunkte können nun für den neuesten Roman aus der Welt der Haarkünstler vergeben werden. Über die Seiten von "Mozarts Friseur" von Wolf Wondratschek, 59, geistern allerhand kuriose Gestalten, den einzigen Schauplatz des Romans - eine Haarschneiderei in der Griechengasse, ein "orientalischer Bazar, getarnt als Friseursalon" - bevölkern "verrutschte Philosophen, Stotterer, gemütliche Giftler und Spinner".

Da wäre ein Fräulein von Lehnhart-Kilany, die sehnsüchtig fordert: "Ein Fick pro Woche, ist das nicht Menschenrecht?" Da ist Joe Pichler, unschwer erkennbar als Udo Proksch. Überdies schauen Figuren namens Mozart oder Thomas Bernhard ab und an vorbei, ein "hochgefährlicher Kotfetischist" ist auch zugange. Mittendrin, quasi im Zentrum des Wahnsinns, werkt die Hauptfigur, ein kunstsinniger Friseur und Bonvivant, den regelmäßig seine "Hühneraugen" jucken.

Freilich, Wondratschek leistet ultimative Aufklärungsarbeit in Sachen Haare. Er fügt eine kleine Sozialgeschichte des Haareschneidens ein oder hat vorgeblich recherchiert, dass Hermann Nitsch "an jedem Wirtshaustisch jeden Abend Barthaare" verliert. Selbstredend beschäftigt sich Wondratschek auch mit den haarigen Fakten zwischen den Beinen.

Dazu kommen noch ein paar alte Kamellen über Wien ("Leichen sind sie, die Wiener, nur sterben tun sie nicht. Der Selbstmord ist hier nicht mehr in Mode") und einige schmuck und artistisch erzählte Eindrücke des Wahlwieners Wondratschek. Einige Zeit folgt man dem von Wondratschek eingefangenen Tratschen und Klatschen gern, auf die Dauer ist "Mozarts Friseur" aber eine dröge Nummernrevue, bei der ein Frisiersalon ausschließlich als Umschlagplatz von kleineren und größeren Kuriositäten dient. Risiko ist Wondratschek, der Poeten-Macho und Box-Poet, mit seinen "Wiener Originalen" keines eingegangen.

Wolfgang Paterno in FALTER 11/2002 vom 15.03.2002 (S. 69)


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