Schöne Freunde
Roman

von Arno Geiger

€ 16,40
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Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 170 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.08.2002

Arno Geiger, Meister sprudelnder Sprachphantasie, beweist in "Schöne Freunde", dass er es versteht, Romane zu schreiben, die zwar die Untiefen der menschlichen Seele berühren, aber doch durch und durch komisch sind. "Schöne Freunde" ist ein Roman über das Ende der Kindheit - ein ganz eigener, unvergleichlicher Ton in der Gegenwartsliteratur.

Rezension aus FALTER 41/2002

Arno Geigers Roman "Schöne Freunde" ist vermutlich eine Parabel vom Erwachsenwerden.

Arno Geigers Texte waren immer schon tendenziell dem Unheutigen, weil kunstvoll Gemachten verhaftet. Die Handlung seines zweiten Romans "Irrlichterloh" etwa ist zwar eindeutig im fiktionalen Hier und Jetzt situiert, sprachlich möchte man die Geschichte aber in einem zeitlichen Niemandsland ansiedeln. Der Textkörper ist mit Akkuratesse und Detailgenauigkeit zurechtgeschnitzt, das ja; ihm ist eine präzise, feinpoetische Bildhaltigkeit eigen, auch das ... Aber so richtig warm wurde man mit Geigers Sprache nicht.

Dankenswerterweise situiert Arno Geiger seinen dritten Roman, er hat ihn mit "Schöne Freunde" betitelt, in einem zeitlosen, traumhaft-traumatischen Raum. Der Icherzähler ist ein Junge, der eingangs der Geschichte am Haupttor eines Bergwerks steht, um jenes bei Bedarf zu schließen und zu öffnen. Sein ständiger Begleiter ist ein stummer Akkordeonspieler. Die Handlung: Nach einem Bergwerksunglück mit vielen Toten fahren der Direktor, der Junge samt Akkordeonspieler sowie etliche Bergwerksbeschäftigte mit einem großen Schiff auf und davon. Wähnte man sich zu Beginn der Lektüre noch in einem Schnitzler'schen Setting (altmodische Namen und reichlich Tennisspiel im Handlungshintergrund), so mutmaßt man bald, dass das Erzählte wohl irgendwie als Parabel zu verstehen ist, und versucht mit fortlaufender Seitenzahl zu entschlüsseln, was wofür stehen könnte.

Das Bergwerk: wohl die gefahrvolle, immer wieder kollabierende Emotionswelt der Erwachsenen. Der Junge, der am Tor davor steht, aber noch nicht wirklich reinkann: eine leicht surreale, fahl beleuchtete "Fänger im Roggen"-Geschichte? Dazu würde der kindlich-naive Liebesbegriff des Protagonisten passen und dessen Leidenschaft, Erwachsene bei ihren Liebesgeständnissen zu belauschen.

Doch, ja, einiges deutet darauf hin, dass der Roman als Pubertätsparabel zu deuten ist; in jedem Fall ist der dritte Geiger aber als ein äußerst stimmiges, klug und feinfühlig konstruiertes Werk zu beschreiben, in welchem sich Sprache und Besprochenes in präzis-poetischer Sprödheit inniglichst aneinander schmiegen. Das Buch wird allerorten gefeiert werden, am begeistertsten in der Literaturbeilage der NZZ. Vermutlich.

Stefan Ender in FALTER 41/2002 vom 11.10.2002 (S. 16)


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