elemente, sonette

von Franz Josef Czernin

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Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Lyrik
Umfang: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 29.07.2002

Rezension aus FALTER 41/2002

Franz Josef Czernin gilt als "schwieriger" Dichter. Dennoch erhebt er den Anspruch, auszusprechen, was alle angeht. Mit dem "Falter" sprach er über Paul Celan und Wolfgang Ambros, über die Ähnlichkeit von Kirche und Dichtung oder über die Unmöglichkeit, Gedichte zum 11. September zu schreiben.

...

Falter: Wie viele Sonette haben Sie eigentlich geschrieben?

F.J. Czernin: Tausende. 99 Prozent davon sind unveröffentlicht. Ich begann mit zwanzig rein zur Übung Sonette zu schreiben, um Versformen zu beherrschen. Das waren absichtliche Imitationen anderer literarischer Epochen - zum Beispiel der Romantik. Die "kunst des sonetts" bestand dann aus ganzen Zyklen. Das Sonett war dabei nur ein abstrakter Raster, und ich habe ziemlich lange gebraucht, um die innere Form des Sonetts für mich fruchtbar zu machen und dann so wie in den "elementen" zu benützen. Das Serielle ist jetzt zurückgetreten, und jedes Gedicht muss auf einzig- und verschiedenartige Weise seine Bedeutungen entfalten.

Falter: In den "elementen" sind das sehr große Dinge wie Liebe, Tod.

F.J. Czernin: Diese Gedichte wollen über große Dinge reden - über erste und letzte Dinge. Allerdings tun sie das nie in abstrakten Begriffen, sondern immer in Bildern. Das ist für mich die Spielregel.

Falter: Trotzdem handelt es sich vorwiegend um Liebesgedichte.

F.J. Czernin: Es geht um einen Zustand von Übermaß und Aufblühen. Wenn einer nicht begreift, dass es um Liebe oder Erotik geht, dann ist ihm nicht zu helfen. Ich muss dafür nicht das Wort "Liebe" verwenden, das ist ja leer.

Falter: Woher rührt die große Sprachskepsis?

F.J. Czernin: In der normalen Kommunikation habe ich meist das Gefühl, nicht sagen zu können, was ich sagen will. Ich kann es nicht darstellen. Wenn jemand sagt "Ich liebe dich", handelt es sich um eine pragmatische Situation - die durch allerlei Handreichungen unterstützt wird. Wenn ich im Gedicht bin, ist mir die unmittelbare Verifikation meiner Worte versagt - also muss ich den ganzen Zustand herstellen. Der Satz "Ich liebe dich" kann dabei auch helfen. Doch normalerweise ist mehr verlangt als das dürre Wort "Liebe". In einem idealen Zustand der Sprache - wo jedes Wort die Sache selber ist und verkörpert - braucht man keine Gedichte. Ich sage "Liebe", und schon ist die Sache geritzt! Wenn man Gedichte schreibt, ist die Wirkung, nicht der bloße Name der Beweis der Wahrheit.

Erich Klein in FALTER 41/2002 vom 11.10.2002 (S. 14)


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