Die Englischen Rosen
Illustriert von Jeffrey Fulvimari

von Madonna

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 39/2003

Madonna hat ein Kinderbuch verfasst - mit Moral!

Madonna hat ein Kinderbuch geschrieben. Madonna? Die Madonna?? Naja, also nicht die Jungfrau Maria, sondern die "Like a Virgin"-Madonna. Ja eh - Madonna eben! Und die hat echt wahr und ohne Scheiß ein Kinderbuch geschrieben?!! Naja, eigentlich hat Madonna fünf Kinderbücher geschrieben. Fünf Kinderbücher??!! Ist ja unglaublich!!!

Da müssen wir jetzt gleich Herrn Nicholas Callaway aus New York, den Gründer des kleinen, aber pipifeinen, für seine höchstwertigen Bilderbücher bekannten Verlag Callaway Editions, fragen: "Hat Madonna wirklich diese Bücher geschrieben?" "Ja. Natürlich." "Warum gleich fünf Bücher?" "Madonna hatte eine Menge Geschichten zu erzählen."

Das Interview mit Nicholas Callaway liegt der deutschen Ausgabe des zeitgleich in vierzig beziehungsweise hundert Ländern (die Angaben gehen da etwas auseinander) veröffentlichten Buches "Die Englischen Rosen" bei, die soeben im Münchner Hanser Verlag erschienen ist (die restlichen vier Bücher liegen wohl noch im Safe des amerikanischen Verlegers). Es ist, man kann es ganz kurz machen, ein Bilderbuch wie Tausende andere auch: Von Jeffrey Fulvimari ganz hübsch (altmodisch) illustriert, handelt es von der Überwindung der Eifersucht im Zeichen ubiquitärer Girl Power. Und weil man sich eh schon darauf geeinigt hat, dass Madonna wegen ihres, ähm, selbstermächtigten Umgangs mit Imagines von Weiblichkeit die Ikone des Postfeminismus ist, sind "Die englischen Rosen" wohl ein postfeministisches Kinderbuch.

Am Ende wird die schöne und beliebte Outsiderin, die bis dahin nur den Neid und die Eifersucht der wie eine Girlieband gecasteten "Englischen Rosen" (dreimal weiß, einmal schwarz; einmal blond, zweimal dunkel, einmal rot) auf sich gezogen hat, in die Gruppe integriert werden - und alle Leute sind begeistert: ",Diese Englischen Rosen sind was ganz Besonderes.' ,Wie schön die Mädchen sind!' ,Was müssen das einmal für unglaubliche Frauen werden!'" Wer also vor hat, ein paar Postfeministinnen in die Welt zu setzen ...

Andere mögen sich an der dürren und nicht gerade rasend originell erzählten ("obwohl sie das schönste Mädchen weit und breit war, war sie sehr einsam") Geschichte stoßen. Oder daran, dass die plumpe Moral, die "Die englischen Rosen" bedient, eigentlich schon in prä-postfeministischen Zeiten als größtes NoNo des Kinderbuches galt. Binah hat nämlich keine Mammi mehr und muss urviel arbeiten. (Wäre sie bloß die Tochter eines steinreichen Ehepaares - sagen wir einer Popsängerin und eines Filmregisseurs - gewesen, die vier Gören hätte sie wohl völlig zu Recht verhöhnt.)

Egal. Es ist ja für einen guten Zweck. Der Erlös fließt nicht aufs Privatkonto der Autorin, sondern kommt einem Kinderhilfsprojekt zugute. Und der Autorin hats auch sehr gut getan: "Zum ersten Mal in meinem Leben war meine Kreativität nicht von meinem Ego oder von Gier motiviert." Und darauf wollen wir jetzt einen doppelten Bourbon trinken. Einen Four Roses. Here's to you, Mrs. Ciccone!

Klaus Nüchtern in FALTER 39/2003 vom 26.09.2003 (S. 59)


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