Architektonische Qualität

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Verlag: Hanser, Carl
Genre: Kunst/Architektur
Erscheinungsdatum: 08.03.2008

Rezension aus FALTER 49/2008

Brechreiz in der Shoppingmall: ein Architekturmanifest der Biederkeit

Der Architekturtheoretiker Georg Franck und die Linguistin Dorothea Franck machen sich zum Sprachrohr eines allgemeinen Unbehagens. Zu viel steht herum, bei dem dem Betrachter ein spontanes "Pfui!" entfährt. Warum, fragen die beiden, wird Geschmack dennoch von der Theorie als nebensächlich abgetan?
Die Geschwister ­argumentieren, holprig in Sprache und Stil, mit zweifelhaften Kategorien. Die Wahrnehmung, schreiben sie, sei "süchtig nach Schönheit", die Entwöhnung von ihr komme einer "Verkrüppelung" gleich. Sie schreiben von "Evidenzerlebnissen schlagender Stimmigkeit", in denen die sinnliche Fülle der Poesie sich von der Prosa des alltäglichen Bauens abhebt. Erkennen lasse sich Qualität etwa durch das Studium antiker Tempel. Shoppingmall, Reihenhaus, Brechreiz!
In ihrer Kulturkritik tauchen Allgemeinplätze der bildungsbürgerlichen Antimoderne auf, etwa die Verteidigung des Schönen gegen die Abstraktionen eines seelenlosen Funktionalismus. Ihre Polemik erinnert an einen Nachbarn, der sich über den Partylärm aufregt. In ihrer sehr subjektiven Neuauflage einer normativen Ästhetik erklären die Francks "wirklich gute Architektur": Der visuelle Eindruck wirkt so auf das körperliche Selbstgefühl ein, dass der Körper Haltung annimmt.
Haltung, Resonanz, Vibration, Erbeben: Eine teils autoritäre, teils schwüle Metaphorik durchzieht das Buch. Nur Klassikern wie Ludwig Mies van der Rohe werden schöpferische Qualitäten zugesprochen, da sie den Takt antiken Raumempfindens auf den Rhythmus der Großstadt abstimmten.
Übte sich Mies etwa bei der Gestaltung des New Yorker Seagram Buildings noch in "vornehmer Zurückhaltung", so diene ein Großteil gegenwärtiger Architektur reinen Werbezwecken. Norman Fosters Büroturm "Swiss Re Tower" sei so ein Beispiel. Das gurkenförmige Gebäude im Zentrum Londons wurde zwar auf dem neuesten Entwicklungsstand von Entwurfs- und Bautechnik gebaut; es steht aber auch für ein rücksichtsloses Buhlen um Aufmerksamkeit.
Ein Buch wie ein Schulgebäude aus den 50er-Jahren: bieder und schlecht gebaut.

Matthias Dusini in FALTER 49/2008 vom 05.12.2008 (S. 28)


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