Die Winter im Süden
Roman

von Norbert Gstrein

€ 20,50
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Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 20.08.2008

Rezension aus FALTER 33/2008

Der Schuss aus dem Spielzeuggewehr

Auch nach seinem Wechsel zum zielstrebig vollständiger Verösterreicherung zustrebenden Hanser Verlag ist Norbert Gstrein seinem großen Thema des letzten Jahrzehnts treu geblieben. Wie schon "Das Handwerk des Tötens" (2003) befasst sich sein jüngster Roman, "Die Winter im Süden", mit dem Bürgerkrieg in Jugoslawien; wie schon in "Die englischen Jahre" (1999) ist das gegenwärtige Geschehen mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs verknüpft, in dessen Schatten fingierte und angemaßte Identitäten wuchern: Die mittlerweile 50-jährige und in Wien lebende Marija entdeckt, dass ihr Vater keineswegs tot ist, sondern bloß vor den Partisanen nach Buenos Aires geflohen.
Norbert Gstrein spielt die Kugel am liebsten über die Bande, mag die Pseudosouveränität moralischer Überlegenheit und letzter Gewissheit weder dem Leser noch sich selbst gönnen. Sogar der sichere Effekt der Suspense-Story ist ihm suspekt. Fiel in "Das Handwerk des Tötens" noch spät ein Schuss, so hat im jüngsten Roman die tödliche Kugel die Freundin des Wiener Polizisten Ludwig schon getroffen, bevor die Handlung einsetzt. Und obgleich in Buenos Aires, wo Ludwig in die Dienste des stets nur "der Alte" genannten kroatischen Veterans tritt (und mit dessen junger Frau ins Bett geht), viel mit Pistolen herumgefuchtelt wird, geht in Kroatien, wohin esdie Figuren und Handlungsstränge des Romans zieht, nur ein Spielzeuggewehr los.
Erkauft ist diese skrupulöse, nie auf eine einzige Perspektive vertrauende Haltung freilich mit einer hyperreflexiven Umständlichkeit, die nicht nur erheblich aufs Tempo drückt, sondern auch Sätze von hydrahafter Syntax generiert, ohne dass dies immer durch einen entsprechenden Informationsgehalt begründet wäre. Zugleich neigt der Erzähler dazu, allzuviel auszuerklären und zu kommentieren. Das nimmt den Figuren Spielraum und dem Leser die Freiheit der Interpretation. Es scheint, als habe Gstrein diesen Themenkomplex einigermaßen ausgeschöpft.

Klaus Nüchtern in FALTER 33/2008 vom 15.08.2008 (S. 47)


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