Ein ganzes Leben
Roman

von Robert Seethaler

€ 18,40
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Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 28.07.2014

Rezension aus FALTER 35/2014

Ein Handlanger des Fortschritts, der in Armut lebt

Die Austrifizierung des Hanser Verlags schreitet hurtig voran. Als letzter Zugang konnte der Wiener Robert Seethaler verbucht werden, der sich auch gleich mit einem alpenländischen Sujet einstellte. "Ein ganzes Leben" erzählt genau das: das ganze Leben des Andreas Egger, der als Stiefkind bei einem hartherzigen Bauern aufwächst und von dessen regelmäßigen Züchtigungen eine Behinderung davonträgt – er hinkt. Angesichts der Vita dieses einfachen, armen und arglosen Hilfsknechts, dessen frisch angetraute Frau bei einem Lawinenabgang stirbt, beschließt man schnell demütig, nie wieder die eigene Wohlstands­existenz zu bejammern.
Das deutsche Feuilleton ist hin und weg vor lauter Ergriffenheit. Offenbar haben die Kritiker in den Redaktionen von Berlin, Frankfurt und sonst wo ob ihrer klammheimlichen Sehnsucht nach einer Rehabilitation des Ruralen ihr ureigenstes Besteck gegen ein stumpfes Speckmesser eingetauscht. Denn so anrührend diese Lebens­geschichte auch ist, so wenig lässt sich darüber hinwegsehen, dass See­thaler weder eine konsistente Erzählposition noch eine stimmige Sprache findet. Er schreibt sich ganz nahe an seinen ­Helden heran, um dann hölzerne auktoriale Kommentare à la "Egger hinterfragte nichts" hinterherzuschieben.
Der schmale Roman laboriert an einem Overkill an Vergleichen; er schlägt einen märchenhaften, mit pseudo-archaischen Vokabeln aufgeputzten Ton an, um dann wieder trocken Sachinformationen einzustreuen, um in diese Erzählung vom Wohl und Wehe des Fortschritts und dem Übergang von der Agrar- und Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft auch noch den "immer schneller expandierenden Seilbahnbau" unterzubringen. Und manche Bilder sind schlicht abgeschmackt (wie jenes von den Geschützfeuern, die "wie leuchtende Blumen erblühten und ihren Widerschein auf die angstvollen oder verzweifelten oder abgestumpften Gesichter der Soldaten legten"). Auf dem Umstand, dass ein Pferd keinen "Hinterlauf", sondern eine Hinterhand hat, wollen wir jetzt erst gar nicht, äh, rumreiten.

Klaus Nüchtern in FALTER 35/2014 vom 29.08.2014 (S. 28)


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