Gräser der Nacht
Roman

von Patrick Modiano

€ 19,50
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Übersetzung: Elisabeth Edl
Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 10.11.2014


Rezension aus FALTER 50/2014

Ein möglicher Einsteig auf dem Gipfel der Kunst

Sie hat etwas ziemlich Schlimmes getan", heißt es von der Freundin des Erzählers, in dessen tastende Erinnerung man gezogen wird. Nach und nach wird klar, dass dies im Zusammenhang mit der Ben-Barka-Affäre steht – der marokkanische Politiker wurde 1965 entführt und ermordet.
Im neuen Roman von Nobelpreisträger Patrick Modiano ist das einer der wenigen Festpunkte im Nebel eines Palimpsests, in dem Gegenwart und Vergangenheit ineinanderfließen und sich auch Fluchtlinien in die Zukunft auftun. Manchmal leuchtet in diesem Grau eine Farbe umso heller auf, das Rot eines Lancia etwa oder die Herbststimmung eines Parks.
Immer wieder werden die klingenden Namen von Pariser Adressen zu Momenten sinnlicher Gewissheit ("Es war eine Manie, alles kennen zu wollen, was im Laufe der Zeit und in aufeinander folgenden Schichten irgendeinen Ort von Paris ausgefüllt hatte"). In das Selbstgespräch des Wanderers durch Paris mengen sich dann auch lebendig gewordene Figuren der Revolution oder der Boheme des 19. Jahrhunderts.
Für Kenner ist "Gräser der Nacht" ganz unverwechselbar ein Werk Modianos. Für den, der durch den Literaturnobelpreis erst aufmerksam auf ihn wurde, stellt es durchaus eine Einstiegsmöglichkeit dar. Modiano ist im 27. Roman auf dem Gipfelpunkt seiner stilistischen Eleganz angelangt und hat ein besonders dichtes Stück des ihm eigenen Universums vorgelegt. Geschickt hat Hanser das Erscheinen des Buchs vorgezogen. So könnte der Preis einmal wirklich der Verbreitung eines auf Deutsch bisher zu wenig rezipierten Œuvres dienen.
Wer kann, sollte es freilich auf Französisch lesen. Dem Zauber des Originals erliegt man vom ersten Satz an, der impressionistisch einen Raum aus Traum und Erinnerung, Klang und Bedeutung öffnet: "Pourtant je n'ai pas revé." Der renommierten Übersetzerin Elisabeth Edl gelingt die größtmögliche Annäherung: "Aber ich habe doch nicht geträumt." Der typische Modiano-Sound, ein sehr französischer Blues, lässt sich aber nicht ohne Verlust ins Deutsche übertragen.

Thomas Leitner in FALTER 50/2014 vom 12.12.2014 (S. 37)


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