Das verzehrende Leben der Dinge
Versuch über die Konsumtion

von Wolfgang Schivelbusch

€ 20,50
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Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Umfang: 192 Seiten
Erscheinungsdatum: 23.02.2015


Rezension aus FALTER 11/2015

Das Duell zwischen Konsumenten und Waren

Konsum: Wolfgang Schivelbusch analysiert die psychische Überforderung durch Überproduktion

Es tobt ein ständiger Kampf da draußen. Mensch versus Dinge heißt das Match. Die "Konsumgesellschaft" ist längst zum Gemeinplatz geworden. Interpretationen über unseren Verbrauch haben schon einige Autoren vorgelegt. Neu ist die Frage, ob oder inwiefern wir selbst dabei verbraucht werden.
"Verbrauchskraft" nennt Wolfgang Schivelbusch das, was sich zwischen dem Konsumenten und der Ware ereignet. "Sie ist eine Art wechselseitigen Einander-Abarbeitens, ein ,Duell', bei dem das Gut einen Widerstand darstellt bzw. leistet, den der Verbraucher, um in den Genuss des Nutzens zu gelangen, zu überwinden hat."
Gemeint ist damit nicht etwa sperriges Verpackungsmaterial, sondern der Widerstand der Ware an sich, die Unbequemlichkeit neuer Schuhe beispielsweise. Der Mensch und die von ihm erschaffenen Dinge verzehren einander wechselseitig – so Schivelbuschs These. Aus dieser entwickelt er eine kleine Geschichte der "Konsumtion" – und grenzt diese von einer Betrachtung der Konsumation klar ab.
Argumente für seinen Ansatz findet er bei zahlreichen Vordenkern aus Philosophie und Wirtschaftswissenschaft. Die Historie menschlicher Hervorbringungen erforscht Schivelbusch schon seit Jahrzehnten. Bereits 1977 hat er eine "Geschichte der Eisenbahnreise" vorgelegt. Zwei seiner Bücher beschäftigen sich mit Aufkommen und Auswirkungen des künstlichen Lichts. Im aktuellen schlanken "Versuch über die Konsumtion" (so der Untertitel) geht er einen Schritt weiter.

Der Fokus liegt nicht mehr auf der Auswirkung menschlicher Errungenschaften, sondern auf der Wechselwirkung zwischen Mensch und Ware. Mit bemerkenswerten Wortprägungen. Neben der "Verbrauchskraft" begegnet uns auch der "Güterstress" oder die Rede vom subjektiven Energieaufwand des Konsumenten, "die erhöhte und uniformierte Anzahl von Gegenständen seelisch zu ,besetzen'". Diese psychische Überforderung stelle eine spiegelbildliche Wirkung der ökonomischen Überproduktion dar, analysiert Schivelbusch.
Originell ist der Vergleich der Industriellen mit der Französischen Revolution als Ungeheuer bzw. Naturgewalt, "zwei unterschiedliche Massen, die um 1800 in Bewegung gerieten und die alte Wirklichkeit umstürzten".
Das große Aha-Erlebnis bleibt jedoch aus. Der größte Verdienst dieses "Versuchs" liegt in der Sammlung der vorhandenen Bausteine zur Erklärung der Mensch-Ding-Beziehung.
Theorie stellt Schivelbusch dabei deutlich über historische Praxisbeispiele. Konsumentenfreundlichkeit für seine Leserschaft scheint nicht seine oberste Priorität zu sein. Die "Verbrauchskraft" ist hoch anzusetzen: Gegen hastiges Verschlungenwerden leistet das hier geschaffene geistige Gut ordnungsgemäß Widerstand.

Andreas Kremla in FALTER 11/2015 vom 13.03.2015 (S. 39)


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