Frank

von Richard Ford

€ 20,50
Lieferung in 2-7 Werktagen

Übersetzung: Frank Heibert
Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 28.09.2015


Rezension aus FALTER 41/2015

Als hätte man Rice Krispies im Nacken

In dem schmalen Roman „Frank“ bringt Richard Ford seinen altgedienten Helden Frank Bascombe wieder zum Einsatz



Etwa alle zehn Jahre hat Richard Ford seine erfolgreichsten Bücher mit der wiederkehrenden Hauptfigur Frank Bascombe verfasst. 1986 („Der Sportreporter“) ist Bascombe ein gescheiterter Schriftsteller, der Sportjournalist wird. „Unabhängigkeitstag“ von 1995 handelt von der Immobilienbranche im suburbanen Amerika, 2006 folgt „Die Lage des Landes“, bevor nun „Frank“ erscheint (leider unübersetzbarer Originaltitel: „Let me be Frank with you“).

Frank ist mittlerweile 68 Jahre alt und pensioniert. Das Buch besteht aus einer Sammlung von vier miteinander verbundenen Novellen, die um die Themen Verlust, Alter und Tod kreisen. In allen vier Büchern ist der Protagonist etwa gleich alt wie der Autor zum jeweiligen Zeitpunkt, Ford aber verwehrt sich gegen jede autobiografische Deutung. Gegenüber dem New Yorker bemerkte er einmal: „Ich glaube, dass ein künstlerisches Werk besser ist, wenn es die geringste Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer hat (…) Hauptsächlich halte ich für wahr, dass Frank ein netterer Mensch ist als ich.“



Die erste Geschichte von „Frank“ beginnt wenige Wochen, nachdem Hurrikan Sandy eine Schneise der Verwüstung durch New Jersey geschlagen hat. Betroffen ist auch das Haus am Meer, das Bascombe einst besessen, aber zu seinem Glück rechtzeitig veräußert hat. Jetzt lehnt es mehrere hundert Meter verschoben und unrettbar beschädigt da.

Der Käufer, ein alter Kunde und Bekannter, der zu einer Karikatur seiner selbst geworden ist, bittet Frank um Rat, was er denn nun mit der Ruine anstellen solle. Die vernichtende Kraft der Naturgewalten löst bei diesem Erinnerungen an vergangene Zeiten aus, in denen hier noch „gelebt“ wurde. Jetzt ist die Zeit der Spekulanten, die billiges Land erstehen wollen.



Was an Fords Erzählen beeindruckt, ist der im gesamten Buch herrschende dunkle Witz, der die tragischen Ereignisse immer wieder unterläuft, ohne ihnen ihre Schärfe zu nehmen. Das betrifft insbesondere die Thematisierung des eigenen Alterns, an das Bascombe mit einer Kombination aus Hellsichtigkeit und einem gehörigen Maß an Sarkasmus herangeht.

Der melancholische Zug gleitet nie ins Sentimentale ab. „Es ist ja nicht so, als würde ich mir jeden Morgen die Hose falschrum anziehen, mir die Schnürsenkel der Schuhe zusammenbinden und mich auf dem Weg zum Briefkasten verlaufen. Permanent stört mich nur eine manchmal schmerzhafte Subluxation … in den … Wirbeln. Davon kriege ich ein Knirschen und Mahlen im Nacken, als hätte ich da Rice Krispies sitzen …“

Gleichzeitig entsteht das „Bedürfnis, beim Gehen bewusster meine Füße zu setzen – das ,Opa-Schlurfen‘ ist schließlich ein nicht zu maskierendes Anzeichen dafür, dass die letzte Reise näher rückt.“

In der zweiten Novelle bekommt Frank überraschenden Besuch von einer Frau,

die in seinem neuen Haus aufgewachsen

ist und nach vielen Jahrzehnten wissen möchte, was daraus geworden ist. Das Gespräch endet mit der schrecklichen Familiengeschichte, die sich einst dort ereignet hat.

Die beiden letzten Storys erzählen vom Besuch – wir befinden uns in der unmittelbaren Vorweihnachtszeit – bei Todgeweihten. Zunächst bei Franks an Parkinson erkrankter Ex-Frau, die ihn mit der verbitterten Aussage konfrontiert: „Zweite Ehen verheddern sich nicht in schwierigen Grundsatzdiskussionen, oder? … Ich habe ja zwei erlebt. Zwei zweite Ehen. Beide waren besser, als mit dir verheiratet zu sein.“



Ohne rechten Enthusiasmus begibt sich Frank hierauf zu einem alten Freund, der bereits im Sterben liegt. „,Ich bin auch beschäftigt‘, sagte Eddie. ,Mit Abkratzen. Wenn du mich noch lebend erwischen willst, kommst du besser gleich rüber. Willst du vielleicht gar nicht. Vielleicht bist du ja so ein Weichei. Bauchspeicheldrüsenkrebs hat in Lunge und Bauch gestreut. Bin auch nicht ansteckend …‘“

Aus all dem ein über weite Strecken heiteres, aber nicht verblödeltes Buch zu machen, mit stetigen Rückbesinnungen auf die eigene oder gemeinsame Vergangenheit, ist eine unerhörte Leistung des Autors. Vielleicht war James Salters letzter großer Roman „Alles, was ist“ – mit ähnlicher Thematik – ein Stück tiefschürfender, aber eben nur ein Stück.

Karl A. Duffek in FALTER 41/2015 vom 09.10.2015 (S. 14)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
Warenkorb anzeigen