Es ist Liebe

von Stephan Porombka

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Verlag: Hanser, Carl
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.07.2017


Rezension aus FALTER 41/2017

Vom Liebesbrief zum Facebook-Like

Lebenskunst: Stephan Porombka versucht eine Revolution der Romantik in Zeiten des Smartphones heraufzubeschwören

Eines vorweg: Dass niemand mehr Liebesbriefe auf Papier schreibt und mit der Post wegschickt, ist nicht schlimm. Denn alles, was wir heute tun – Zuneigungsbekundungen über Facebook, Komplimente über Twitter oder Nacktfotos über Snapchat –, ist genauso gut. Oder vielleicht sogar besser? Anders in jedem Fall, vielfältiger, spannender. Das meint zumindest Stephan Porombka, Autor, Kolumnist sowie Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Berliner Universität der Künste.

„Es ist Liebe“ heißt das Buch, und es ist, von außen betrachtet, sehr schön geworden. Und aufdringlich. In großen weißen Lettern auf rotem Grund schreit einem der Titel entgegen, was wir alle hören wollen, woran wir aber immer zweifeln. Porombka weiß es schon, es ist Liebe.
Die Seiten sind aus starkem Papier, das Umblättern macht ein angenehmes Gefühl. Die ersten Seiten ähneln dem Titelblatt: „Es werden keine Liebesbriefe mehr geschrieben“, steht groß auf der ersten Seite. Dann „Das ist das Ende der Romantik“, „Das ist das Ende der Liebe“, „Und du bist mittendrin.“
Auf Seite elf geht es dann in herkömmlicher kleiner Buch-Druckschrift, schwarz auf weißem Papier, weiter. Die Aussage ist nicht minder schreiend: „Wer auch immer so etwas zu dir sagt – mein dringender Rat ist: Umdrehen und weggehen.“ Was danach folgt, ist eine Wiederholung desselben: Es gibt unwissende Menschen, die wollen dir einreden, dass das Smartphone die Romantik zerstört, aber das stimmt nicht, und ich sage dir, warum du dich wie verhalten sollst.

Porombka duzt seine Leser das ganze Buch hindurch, was ihm bisweilen den Anschein eines Autors esoterischer Bücher oder eines Gurus gibt. Das nervt ab der ersten Seite und verstärkt sich bis zur letzten. Porombka gebärdet sich als ein Social-Media-Weisheitsvermittler, einer, der die Wahrheit erkannt hat und gern ein Revolutionsführer sein will – in der romantischen Revolution, im „Zeitalter der nächsten großen Liebe“.
Dazwischen gibt er Beispiele für Liebe in Zeichen des Smartphones: zum Beispiel die Dating-App Tinder, die „mit dir Achterbahn fahren“ will. „Und wenn du willst, klickst du weiter auf Lovoo, auf Gayromeo, Lesarion oder Grindr, um sogar noch schnelleren Sex zu haben. Schalte dein Radar ein, und du siehst auf deinem kleinen Bildschirm, wer in deiner Nähe ist und auf Zungenküsse steht. Oder wer es gern in Verkleidung macht. Oder mit Spielzeug.“
Porombka gibt Anleitungen, wie man sich Menschen nähert, die sich in der digitalisierten Social-Media-Welt um die Liebe sorgen. Man solle sie doch über ihre Smartphone-Gewohnheiten ausfragen und ihnen klarmachen, dass sie ja auch schon Liebesgeschichten geschrieben haben, über Whatsapp oder Facebook. Zumindest aber über SMS. Oder er gibt konkrete Tipps für die Smartphone-Entdeckungsreise, etwa ein Bild zu knipsen „von deiner Hand, wie sie auf deiner Brust liegt. Oder halte aus allernächster Nähe mit einem kurzen Video fest, wie du den Saum deines Hemdes berührst. Mach das Video und sag dazu: ,Erklär mir, Liebe.‘“

Worin man ihm nicht widersprechen kann: dass es so gut wie unmöglich ist, sich der Welt der Smartphones zu entziehen. Man könnte ihm auch einen grenzenlosen Optimismus unterstellen, Freude an der Zukunft, an all den neuen Spielzeugen, die wir mit dem Smartphone nun in der Hand haben. Aber warum schreibt er das alles in ein Buch?
Übrigens, in einem Online-Artikel von einem Schüler Porombkas über seinen Lehrer findet man einen notwendigen Subtext zum Buch. David Jenal erzählt darin von Vorlesungen via Facebook, in denen der Professor über Snapchat Einblicke in sein Liebes- und sonstiges Privatleben gibt. Es ist die Erklärung, die über dem gesamten hochtrabenden Buch schwebt: Porombka hat einfach Spaß an den neuen Medien und liebt die Selbstdarstellung. Macht ja nix.

Stefanie Panzenböck in FALTER 41/2017 vom 13.10.2017 (S. 53)


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