Miroloi

Roman
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Kurzbeschreibung des Verlags:

"So eine wie ich ist hier eigentlich nicht vorgesehen." - Karen Köhlers erster Roman über eine junge Frau, die sich auflehnt. Gegen die Strukturen ihrer Gesellschaft und für die Freiheit
Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers erster Roman erzählt von einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gesellschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert, wenn man sich in einem solchen Dorf als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt, heimlich lesen lernt, sich verliebt? Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt „Miroloi“ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte; ein Roman, in dem jedes Detail leuchtet und brennt.

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FALTER-Rezension

Nicht viel Neues zwischen Blaublau und Gerausche

Karen Köhlers Geschlechterkriegsroman „Miroloi“ verfolgt redliche Absichten, unterfordert aber die Leserinnen und Leser

Das deutsche Feuilleton hat über Karen Köhlers Roman so gestritten, dass Mahner gleich den gesamten Literaturbetrieb in der Krise sahen. Das mag schon der Fall sein, aber sicher nicht wegen dieses Romans. Fast bekommt man Lust, zu Fleiß pro „Miroloi“ zu sein. Allein, der Roman muss tatsächlich gezaust werden. Köhlers feministischer Ansatz ist redlich. Hannah Arendts Verbot, blind zu gehorchen, ist das literarische Motto. Freilich, revolutionär ist die Erzählung von Aufklärung, Selbstermächtigung durch Bildung, von der Rettung durch Sprache und vom Empowerment der Ausgegrenzten nicht.

Köhler beschreibt eine archaische, künstlich von der Gegenwart abgeschnittene Gesellschaft. Der „Bethaus-Vater“ und der Ältestenrat herrschen kraft einer abrahamitschen Hardcore-Religion, einem abrahamitischen Worst-of zu Hauptlasten der Frauen: „Sie versuchen uns zu bändigen wie die Schafe vorm Scheren.“

Frauen dürfen nicht lesen, Männer nicht kochen. Wer gegen diese Verbote verstößt, muss an den Pranger. Wer von der Insel fliehen will, dem werden auf dem „Korrekturbrett“, das es in den Größen Mann, Frau und Kind gibt, die Knochen gebrochen, wer eine Todsünde begeht, wird gesteinigt. Die präindustrielle Gesellschaft auf der Insel ist von Mangelwirtschaft geprägt, es gibt weder Strom noch Geld. Die Frauen schuften, die Männer saufen und beten. Ab und zu kommt der Händler vom Festland und tauscht Errungenschaften der Zivilisation gegen Olivenöl: Bananen lässt der Ältestenrat zu, Tampons nicht.

Erzählt wird der Roman aus der Perspektive eines heranwachsenden Findelkinds, dem die gemeine Dorfgemeinschaft keinen Namen zugestehen will. Das Mädchen schreibt sich hier sein eigenes traditionelles Totenlied (dafür steht das titelgebende Kunstwort), damit wenigstens irgendetwas von ihm bleibt, wenn es einmal nicht mehr ist.

Nach einem Fluchtversuch haben die Männer dem Mädchen das Bein zerschmettert. Es ist eine anrührende Oliver-Twist-Geschichte, deren Ungerechtigkeit zum mediterranen Himmel schreit. Als eine heimliche Helferin der Ausgestoßenen Zugang zum Alphabet verschafft und diese dem theokratischen Schwindel auf die Schliche kommt, wächst in ihr die Erkenntnis: „In mir drin ist alles möglich.“

„Miroloi“ neigt dazu, die bereits Bekehrten zu belehren: Dass das Patriarchat ein Hund ist oder Religion und Sexismus historisch Hand in Hand gehen, dürfte in aufgeklärten Blasen hinreichend bekannt sein. So gerät der Roman mitunter etwas langweilig, und er versagt gerade dort, wo es ans Eingemachte geht: bei der Sprache. Köhler hat das rettende Potenzial von Schrift und Wissen ins Zentrum gestellt, aber den richtigen Ton nicht gefunden. Der Stil der Erzählerin schwankt immer wieder zwischen manierierter Einfalt, Genderdekonstruktionsdiskurs und manifestem Pathos, gerade wenn es um eine verbotene Liebe geht. Das Meer und sein „Gerausch“ heißen „Blaublau“, die Sonne leuchtet auf das „Glänzedach“ und dem Nackten auf das „Mannuntenrum“. Das größte Rätsel aber ist: Warum fällt am Ende die Rache des Findelkindes so sanft aus? Da hätte ruhig mehr brennen dürfen!

Eine Zumutung ist „Miroloi“ durchaus nicht, enthält es doch auch Sätze wie „die Welt mit ihren Menschen darin ist schlecht, tut aber so, als sei sie schön mit ihren scheiß Schmetterlingen und Regenbögen und Vogelgezwitscher“. Die Dramatikerin und Drehbuchautorin Köhler ist eine gute Schriftstellerin, ihr Debüt „Wir haben Raketen gesammelt“ war fulminant – auch das mag die Erwartungen an „Miroloi“ zu hoch getrieben haben.

Und manchmal ertappt man sich während der Lektüre dabei, eigentlich gerne wieder Urlaub in Griechenland machen und bei Gelegenheit einem Macho-Deppen ordentlich Backenfutter verpassen zu wollen. Nicht die schlechtesten Vorsätze!

Dominika Meindl in Falter 41/2019 vom 11.10.2019 (S. 16)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783446261716
Erscheinungsdatum 19.08.2019
Umfang 464 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Hanser, Carl
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