Genpoolparty
Wie die Wissenschaft uns stärker, schlauer und weniger unausstehlich macht

von Martin Moder

€ 19,60
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Verlag: Hanser, Carl
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Natur, Technik/Naturwissenschaft
Umfang: 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.2019


Rezension aus FALTER 12/2019

Angriff auf die Eigenschaften des Menschen

Gentechnik: Martin Moder erklärt die bedenklichen Entwicklungen in der Gentechnik mit Humor und Sprachwitz

Es gibt keinen anderen Bereich der Wissenschaft, in dem Erkenntnisse so schnell publiziert werden wie in der Genetik. Obwohl sie direkte Auswirkungen auf unser Leben haben, findet keine diesen entsprechende öffentliche Diskussion statt. Das hat vor allem damit zu tun, dass diese Studien nur von Experten verstanden werden, die zwar die technischen Dimensionen nachvollziehen können, aber die Diskussion über die politischen, ethischen und gesundheitlichen Konsequenzen nicht führen können bzw. wollen.

Genau da hakt Martin Moders mit seinem Buch „Genpoolparty“ ein. Als Mikrobiologe und Genetiker ist er bestens über den Stand der Entwicklungen in der Gentechnik informiert. Und als Mitglied der Kabarettgruppe Science Busters versteht er es, einem Publikum komplexe Zusammenhänge humorvoll zu vermitteln. Den Drang zur Pointe spürt man dabei in jedem Kapitel. Moder würde das vermutlich bildhafter formulieren und meinen, dass flotte Formulierungen seine Texte genauso durchziehen wie das Strickleiternervensystem einen Regenwurm.

Wer an den üblichen, etwas gesetzten Sprachduktus sonstiger naturwissenschaftlicher Sachbücher gewöhnt ist, wird ein bisschen Zeit brauchen, um sich an den schnellen Wechsel von sachlichen Informationen und kabarettistischen Seitenhieben zu gewöhnen. Manchmal merkt man beim Lesen auch den Bruch zwischen dem gesprochenen Wort auf der Bühne und ver-schriftlichen Sätzen, die anderen Rezeptionsgewohnheiten folgen.

Wenn Moder über die ethischen Herausforderungen der sogenannten Genschere CRISPR schreibt, dann liest sich das so: „Chinesische Forscher wagten sich erstmals in der Wissenschaftsgeschichte an die genetische Veränderung von Embryonen. Sie fragen sich vielleicht, wo man diese herbekommt. Üblicherweise bleiben bei künstlichen Befruchtungen ein paar befruchtete Eizellen übrig. In einigen Ländern darf man diese für die Forschung verwenden. In Österreich ist das nicht direkt erlaubt, allerdings darf man trotzdem an ihnen forschen, wenn man sie aus dem Ausland importiert. Zyniker würden sagen, dass es sich dabei um die einzige von der österreichischen Bundesregierung wirklich geförderte Integrationsmaßnahme handelt.“

Möglicherweise treibt dieser Stil klassische Bildungsbürger aus ihrer Komfortzone, aber diese sind vermutlich auch nicht die primäre Zielgruppe. Man sollte Moders Schreibweise vielmehr als Würze auf den sachlich korrekten Zeilen dieses Buchs sehen. Hier kauft man kein Lehrbuch, sondern wird durch unsachlich-humorvolle Einschübe immer wieder in neues Gelände gelockt. Und das ist gut so. Denn wie es die Presse in einer Kritik zu seinem ersten Buch formulierte: Man merkt sich das, worüber man lacht.

Aber man wird dem Buch nicht gerecht, wenn man es nur auf seine witzigen Momente reduziert. Das Thema selbst ist ernst: Was bedeutet es für unser Leben, wenn wir in der Lage sind – und das sind wir bereits –, Erbinformationen zu verändern und zu gestalten? Können wir uns dann optimieren? Und was bedeutet Optimierung in Bezug auf einen Menschen überhaupt? Wie viele Eigenschaften kann man bei uns feststellen? 17.000, schreibt Moder, und nach einer seriösen Studie ist keine dieser Eigenschaften unabhängig von unseren Genen. Was bedeutet im Hinblick auf diese Feststellung noch unser freier Wille?

An all diesen Themen arbeitet sich Moder mit Faktenwissen und Sprachwitz ab. Hier es fast schade, dass Bücher noch so analoge, lineare Medien sind, wo man nicht direkt kommentieren und in die Diskussion mit einsteigen kann. Manche Kapitel wie zum Beispiel „Die Biologie des menschlichen Verhaltens“ provozieren auch Widerspruch, andere Abschnitte wie jener über „Ethische Optimierung“ hätten hingegen mehr Platz vertragen. Ein gleichermaßen schweres wie leichtes Buch, das sich viele Leser und weitere Diskussionen verdient.

Peter Iwaniewicz in FALTER 12/2019 vom 22.03.2019 (S. 42)


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