Rückzug
Geschichten eines Tabus

von Wolfgang Schivelbusch

€ 18,50
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Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Geschichte/Kulturgeschichte
Umfang: 112 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.03.2019


Rezension aus FALTER 12/2019

Warum gilt ein Rückzug heute nicht mehr als Niederlage?

Als US-Präsident Donald Trump unlängst den Abzug amerikanischer Truppen aus Syrien ankündigte, war das keine Schlagzeile wert. Ähnlich wie bei den gescheiterten Interventionen im Irak oder in Afghanistan wird der Rückzug nicht als Niederlage, sondern sogar als geschickte Exit-Strategie verbucht. Der Nationalstolz leidet nicht darunter.

Der Historiker Wolfgang Schivelbusch stellt eine Paradoxie fest. Obwohl sich der Westen seit Jahrzehnten auf dem Rückzug – etwa aus den ehemaligen Kolonialgebieten – befindet, wird das nicht als Misslingen, sondern diplomatisch als „Folge der Globalisierung“ bezeichnet. Im Rückblick auf die heroische Geschichte des Rückzugs macht der Autor deutlich, wie wichtig dieser Prozess ist. In der modernen Vorstellung des Fortschritts gab es eigentlich keinen Platz dafür.

Am Beispiel etwa der Kämpfe antiker Helden arbeitet Schivelbusch das Tabu der Flucht vor dem Gegner heraus. Handelt es sich bei Hektors Abgang in Homers „Ilias“ um ein Zeichen von Feigheit oder eine kluge Strategie? Ein „geordneter Rückzug“ hilft dem Weichenden dabei, sein Gesicht zu wahren.

In den Heeren der absolutistischen Monarchie wechselten Vormarsch und Rückzug permanent ab, erst das Volksheer Napoleons machte die Ehre zur Frage von Leben und Tod. Der Kampf bis zum sprichwörtlichen letzten Blutstropfen sollte in den beiden Weltkriegen fatale Folgen haben.

Schivelbusch gilt als Meister kühner Thesen. Seine „Geschichte der Eisenbahnreise“ (1977) war ein Meilenstein der Kulturwissenschaft. Auch in neueren Büchern etwa über die Verwandtschaft zwischen Faschismus und New Deal („Entfernte Verwandte“, 2008) schaffte er es, scheinbar Unvereinbares überraschend zu kombinieren. Auch in der neuen Publikation weckt der Autor das Interesse für ein bisher wenig beachtetes Bewegungselement der Geschichte. Leider bleibt der Essay eine Skizze, die lediglich Schlaglichter auf eine Variante der Niederlage wirft. Vergeblich wartet der Leser auf den entscheidenden argumentativen Vorstoß.

Matthias Dusini in FALTER 12/2019 vom 22.03.2019 (S. 32)


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