Die Vermessung des Körpers
Warum unsere Haut sehen und die Nase durch die Zeit reisen kann

von Brian Clegg

€ 20,50
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Übersetzung: Henning Dedekind
Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Natur, Technik/Naturwissenschaft
Umfang: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 25.02.2013


Rezension aus FALTER 11/2013

Königinnen und Könige, Ritter und Hofnarren

Medizin: Brian Clegg führt auf einer experimentierfreudigen, anspruchsvollen Reise durch den menschlichen Körper

Wie kam es zu dem Begriff "fliegende Untertasse"? Entstanden ist er aus einem Irrtum – ein ebensolches Missverständnis, wie es wohl sämtliche Begegnungen mit vermeintlich in solchen Untertassen reisenden Außerirdischen sein dürften. 1947 berichtete eine Zeitung über die Sichtung seltsamer Flugobjekte durch einen US-Piloten, der beschrieben hatte, dass sich diese sehr unregelmäßig bewegt hätten, "wie eine Untertasse, die man über einen Teich hüpfen lässt". Der Vergleich an sich ist schon recht eigenwillig. Die Zeitung nahm ihn pars pro toto – und die "fliegende Untertasse" war geboren.

Anekdotische Ausfallschritte wie dieser sind typisch für das neue Buch von Brian Clegg. Eigentlich geht es darin um das Wunderwerk des menschlichen Körpers, noch genauer darum, wie sich im Körper des Menschen so gut wie das gesamte Universum mit seinen Gesetzmäßigkeiten, seiner Entstehung und Funktionsweise abbildet.
"Wir sind Sternenstaub, Baby!" – die coole Ermahnung, die irdischen Dinge nicht allzu ernst zu nehmen, präsentiert Clegg seinem staunenden Laienpublikum unverhofft als wissenschaftliches Faktum. Das klingt dann so: "Wir stellen uns das von Astronomen erforschte Universum als weit entfernt und abgekoppelt von unserem irdischen Leben vor. Doch befand sich jedes einzelne Atom unseres Körpers einst dort draußen, als Teil eines größeren Kosmos."
Wir bestehen buchstäblich aus Sternenstaub, denn die Atome, aus denen wir gemacht sind, stammen "entweder aus dem Urknall – sind also 13,7 Milliarden Jahre alt – oder von den Sternen, womit sie zwischen sieben und zwölf Milliarden Jahre alt wären". Das zu erfahren ist doch erbaulich, und Clegg setzt noch eines drauf, wenn er versichert, dass jeder von uns auf atomarer Ebene gleichsam recycelt wird.
So kommt es nicht nur, dass jeder Körper "Atome aus Königinnen und Königen, edlen Rittern und Hofnarren enthält", sondern auch, dass jeder Atemzug, den wir nehmen, "ein oder zwei Atome enthält, die auch schon Marilyn Monroe geatmet hat". Aber das Buch erschöpft sich nicht in Anekdotischem.
Ganz im Gegenteil. Es ist bei aller Unterfütterung mit britischem Humor eine anspruchsvolle Lektüre. Vor allem für jene unter uns, die nicht jederzeit das zweite Gesetz der Thermodynamik präsent haben.

Clegg versucht sein Möglichstes, physikalische und chemische Prozesse plastisch dar­zu­stellen – nicht zuletzt durch viele Experimen­te für den Hausgebrauch, bei denen man etwa mit einfachsten Mitteln die DNA einer Banane freilegen, die Funktionsweise der Tiefenwahrnehmung am eigenen Körper austesten oder seine beiden Gehirnhälften in Aktion erleben kann (mehr davon findet man auf seiner Website www.universeinsideyou.com).
Es ist wirklich ein big picture, das Clegg vom Körper malt: von der Struktur des Blutes über die Biochemie der Liebe, die Energiegewinnung durch Nahrung, die Wirkung der Gravitation auf den Körper und das Funktionieren unserer Sinne bis zur riesigen Armee von Bakterien, den Untermietern des Körpers.
All das ist in dem Maße erhellend, in dem der Kopf bei der Lektüre vor animierter Anstrengung zu rauchen beginnt. Clegg schreibt so, dass man die Herausforderung bereitwillig annimmt.

Julia Kospach in FALTER 11/2013 vom 15.03.2013 (S. 45)


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