Brennendes Land

von Bruce Sterling, Norbert Stöbe

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Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 27/2001

Ich kann diesen Film keinem schmackhaft machen", meint der Ich-Erzähler Gabriel am Ende abgeklärt. Tatsächlich ist "Circus World" trotz Starbesetzung (John Wayne, Claudia Cardinale und Rita Hayworth) ein eher entbehrliches Kapitel in der Kinogeschichte geblieben. Der wundervolle Roman hingegen, den Juan Minana über die Dreharbeiten des Films 1963 in Barcelona geschrieben hat, sollte zumindest in die jüngere spanische Literaturgeschichte eingehen. Aus der Perspektive des Spaniers Gabriel, der am Set Handlangerdienste verrichtet und von der großen Karriere träumt, wird da vom plötzlichen Verschwinden des Hauptdarstellers John Wayne und der turbulenten Suche nach dem leibhaftigen Kino-Helden erzählt - packend, detailgenau und mit viel Gespür für die Zeit, den Ort und die Charaktere. Auf seiner "realistischen Ebene" vermittelt "Nachrichten aus der wirklichen Welt" so Einblicke in die Kinoindustrie der Sechzigerjahre und das Spanien der Franco-Ära. Auf seiner symbolischen Ebene wird das famose Buch - nicht zuletzt durch seinen überraschenden Epilog - zu einer stimmigen Parabel über das Heldentum im Zeitalter seiner medialen Produzierbarkeit.Heiß geht es her in den neuen Romanen des Cyberpunkgurus Bruce Sterling. Zumindest wenn man sich an die deutschen Titel hält. Der Politthriller "Brennendes Land" zeigt die USA als ein von Chaos und Niedergang gezeichnetes Land: Die zentrale Verwaltung ist praktisch aufgelöst; Korruption und Verwahrlosung sind die einzigen Konstanten der Politik. Die südlichen Bundesstaaten drohen unter dem ansteigenden Meeresspiegel abzusaufen, paramilitärische Prolohorden machen die Gegend unsicher, ein wahnsinniger Gouverneur testet bewusstseinserweiternde Drogen an der ahnungslosen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund hebt nun die aberwitzige Politperformance des jungen Wahlkampfmanagers Oscar ab. Er sollte nur die Finanzlage eines Biolabors überprüfen, am Ende steht ein durchgeknalltes Land vor seinem finalen Knock-out. Der Roman ist in den USA dennoch auf viel Gegenliebe gestoßen und wurde sogar mit dem renommierten "Arthur C. Clarke Award" ausgezeichnet.

Klaus Taschwer in FALTER 27/2001 vom 06.07.2001 (S. 54)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Nachrichten aus der wirklichen Welt (Juan Minana, Willi Zurbrüggen)

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