Killoyle
Eine irische Farce

von Roger Boylan, Bernd Polster

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Verlag: Rogner & Bernhard
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 1-2/2000

Roger Boylans irische Farce "Killoyle" ist Harry Rowohlts 100.Übersetzung. Ein würdiges Jubiläum.
Das Wichtigste zuerst. Also Alkohol: "Das wird der Tod der irischen Nation sein; merken Sie sich meine Worte. Einmal wurde ich so hereingelegt, dass ich während eines einzigen feuchten Mittagessens elf Runden ausgeben musste, und außer mir war niemand in der Bar!" Erkenntnisse wie diese finden sich seitenweise in "Killoyle". Dafür wenig Sex. Frönt doch der Ire an und für sich eher dem Guinness als dem GV. Und Gott? Kommt auch vor, ja.
Hochprozentiges spielt jedenfalls die Hauptrolle in der südirischen Kleinstadt Killoyle, die man, wenn man will, zwischen Wexford und Waterford ansiedeln kann. Etwa 41 Meilen südöstlich von Cork. Und 121 Meilen südwestlich von Dublin. Auf der Landkarte wird man Killoyle freilich vergebens suchen. Die Stadt existiert nur im Kopf des Autors.
Roger Boylan, 1951 in Irland geboren, aufgewachsen in Genf, Paris und Rom, besuchte die Universitäten von Edinburgh und Derry. Auf die Frage, was er denn dort studiert habe, antwortete er: "Vor allem das Innere von Pubs." So viel zum Charakter des vorliegenden Roman-Debüts, das vor zwei Jahren bei Dalkey Archive Press / Illinois erschienen ist. Wer hier gleich an Flann O'Briens Roman "Aus Dalkeys Archiven" denkt, hat Recht. Wer an Harry Rowohlt denkt, liegt auch nicht falsch. Immerhin stammen die besten O'Brien-Übertragungen aus seiner Feder, und dem Vernehmen nach hat Rowohlt seinen gesamten Jahresplan umgeworfen, damit Roger Boylans Erstling seine 100. Übersetzung wird. Ein gutes Zeichen. Aber worum gehts eigentlich?
Um eine Handvoll Charaktere, deren Gemeinsamkeiten sich auf die Tatsache beschränken, dass sie gerne alkoholischen Getränken zusprechen und einige von ihnen daher einem "Slum auf Beinen" gleichen. Milo Rogers zum Beispiel, Oberkellner im besten Pub am Platz; sein Kollege Murphy, erster Barmann; oder Emmet Power, Geschäftsführer des Etablissements; Hochwürden Pater Doyle, dessen "Gelenke jappten und jaulten in der Herbstfeuchte ...", sowie Kathy Hickmann, obskures Objekt aller Begierden und Kolumnistin für ein Hochglanz-Frauenmagazin; Wolftone Grey schließlich, der Mitglieder für die Sekte des slawischen Religionsgründers Glossowitsch wirbt. Leider dürfen nur jene mitmachen, deren Name mit G beginnt ... Begleitet wird der Reigen von oft seitenlangen, akribischen Fußnoten, die vorgeben, das Geschehen zu kommentieren, in Wirklichkeit jedoch nur von der Handlung ablenken. Aber die ist, wie Übersetzer Rowohlt richtig anmerkt, "wie in allen guten Büchern sowieso ziemlich Wurscht".
Boylans Roman ist eine ausgewiesene Farce - höchst kunstvoller Schwachsinn, der manchen Lesern den letzten Nerv ziehen, anderen unbeschreiblich vergnügliche Stunden bescheren wird. Denn, wie Publishers Weekly bei Erscheinen des Buches feststellte: "In Roger Boylan steckt der Geist von James Joyce, Flann O'Brien und Samuel Beckett." Aber auch der von John Jameson, Old Buschmills und Tullamore Dew.

Erwin Quirchmair in FALTER 1-2/2000 vom 14.01.2000 (S. 61)


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