Immerjahn

von Barbara Zeman

€ 22,70
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Verlag: Hoffmann und Campe
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 05.02.2019

Rezension aus FALTER 6/2019

Wenn alles schnell seinen Reiz verliert

Die Eleganz, die vom ererbten Geschmack zu zehren versteht, ersetzt die verlorene Substanz“, heißt es in einer Studie von Erich Köhler und Angelika Corbineau-Hoffmann über Marcel Proust. Der Satz könnte auch auf den Protagonisten von Barbara Zemans Romandebüt gemünzt sein.

Gotthold Immerjahn ist ein Mann Anfang 50, den das Gefühl beschleicht, er müsse seinem Leben eine neue Richtung geben. Was ihm nicht leicht fällt, da es lang schon in eingefahrenen Bahnen verläuft und von komplizierten Beziehungen geprägt ist. Die meiste Zeit ist Immerjahn müde.

Als schwerreicher Erbe widmet er sein Leben der Kunst. Das Zeichnen gibt er bald auf, verlegt sich aufs Betrachten und Sammeln. Doch was er an Kunstwerken auch anschafft, es verliert, nachdem es in seinen Besitz übergegangen ist, schnell seinen Reiz. Nun will er aus dem Erdgeschoß seines Anwesens ein Museum machen, um Leben in die Bude zu bringen, in der sich außer ihm nur noch die alte Köchin und ein Faktotum namens Holm regelmäßig aufhalten. Seine Frau bekommt er oft tagelang nicht zu Gesicht.

Figuren mit überreizten Nerven und einer übersteigerten Wahrnehmung sind in der Literatur selten geworden. Umso lieber folgt man Zeman beim Rundgang durch das Universum ihres zutiefst melancholischen Helden, dem sie nur kleine Momente der Zufriedenheit zugesteht: „Zufrieden nickte Immerjahn und strich sich über die Weste, das Besondere an ihr waren ihre Knöpfe, die, erkennbar nur auf den zweiten Blick, winzige Portraits von Leonardo da Vinci zeigten. (…) Er war sich bewusst, die Weste stellte eine Art Kompensation dar, Leonardo da Vinci war einer der wenigen Künstler, den er mochte und von dem er nichts besaß.“

„Immerjahn“ steckt voller Details und Schnörkel, es ist ein Fest für Freunde manieristischer Sprachkunst. Droht auf den ersten Seiten der Stil weit über die Substanz zu gehen, versteht es die Autorin am Ende aber auch, eine berührende Geschichte über Kunst, Geld, Liebe und Tod zu erzählen.

Sebastian Fasthuber in FALTER 6/2019 vom 08.02.2019 (S. 30)


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