Madonna. Die Biographie
Mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos

von J. Randy Taraborrelli, Karin Schuler

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 51-52/2001

Um der Bedeutung der Popikone Madonna gerecht zu werden, muss man sich nicht unbedingt an deren Leben abarbeiten. Zwei Bücher versuchen es dennoch.

Nicht nur in ihren polarisierenden sexuellen Inszenierungen war Madonnas Karriere vom geschickten Einsatz vielfältigster Images und dem permanenten Wechselspiel zwischen Fiktion und Realität geprägt. Eine Parallellektüre der beiden neuen Madonna-Biografien von Andrew Morton und J. Randy Taraborrelli, in welchen ein und dieselben Ereignisse oft völlig konträr dargestellt werden, verdeutlicht das nur zu gut. Die jeweilige historische Wahrheit bleibt ebenso verschwommen wie irrelevant - schließlich geht es hier nicht um Wissenschaft, sondern um Popkultur.

Morton, der mit Madonna im Gegensatz zu Taraborrelli übrigens nie persönlich gesprochen hat, geht es freilich weder um Geschichte noch um Popkultur, sondern lediglich um die neuerliche Anwendung eines "Skandal"-Musters, das man durch seine Bücher über Lady Di und Monica Lewinsky zur Genüge kennt. In seiner reißerischen Lesart gerät Madonnas Leben zu einer endlosen Folge sexueller Abenteuer, die der Autor in einer ungustiösen Mischung aus Geilheit, Paternalismus und Kaffeesud-Psychologie ausbreitet. Unsägliche Gerüchte werden dabei schnell zu erschütternden Fakten, gute Freundinnen zu lesbischen Bettgespielinnen und die komplizierte Beziehung zum Vater sowie der frühe Tod der Mutter zur Folie für eine Vielzahl anmaßender Projektionen. Bliebe der potenzielle Reiz einer trashigen Schundlektüre; doch selbst der geht durch die Schnellschussübersetzung und das miese Lektorat verloren.Um der Bedeutung der Popikone Madonna gerecht zu werden, muss man sich nicht unbedingt an deren Leben abarbeiten. Zwei Bücher versuchen es dennoch.

Deutlich respektvoller legt Taraborrelli seine zumindest halbwegs niveauvoll geschriebene und vor allem besser recherchierte Biografie an. Die wirklich interessanten künstlerischen und ökonomisch-strategischen Aspekte geraten zwar auch bei ihm ins Hintertreffen; aber immerhin ist dem Autor Mortons boulevardeskes Getöse angenehm fremd. Wirklich neue Erkenntnisse liefert der zwischen Faszination und dem Bemühen um Seriosität situierte Zugang freilich auch nicht; einen soliden Überblick über die zahlreichen Stationen von Madonnas medial immer schon perfekt inszenierter Karriere bietet der Wälzer aber allemal. Und natürlich einige markante Sager, wie etwa jenen des DJs und Produzenten John "Jellybean" Benitez, dessen Arbeit am Song "Holiday" Madonna einst zu "American Bandstand" brachte: "Sie war alles für mich, meine Frau, meine Lieblingskünstlerin, die hinterhältigste, lustigste Klugscheißerin, die ich je kennen gelernt hatte."

Gerhard Stöger in FALTER 51-52/2001 vom 21.12.2001 (S. 83)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Madonna (Andrew Morton, Helmut Lindner)

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