Wenn Männer mir die Welt erklären
Essays

von Rebecca Solnit

€ 18,50
Lieferung in 2-7 Werktagen

Übersetzung: Kathrin Razum
Übersetzung: Bettina Münch
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 05.08.2015


Rezension aus FALTER 41/2015

Die Methode, im höflichen Diskurs Macht auszuüben

Frauen: Rebecca Solnits Essay über die Unsichtbarmachung von Frauen im Öffentlichen und Privaten erscheint nun auf Deutsch



Es gibt Essays, die ein Eigenleben entwickeln. Sie treffen einen Nerv, finden die richtigen Worte für die Erfahrung vieler und erregen den Widerspruch anderer. Sie werden über Jahre gelesen, gepostet und kommentiert und bringen eine Debatte voran. Rebecca Solnits „Wenn Männer mir die Welt erklären“ ist ein solcher Essay. Er entstand 2008, nachdem die kalifornische Publizistin, Feministin und Aktivistin ein Erlebnis auf einer Party in einer „rustikalen Luxushütte“ hatte.



In einem Ton, „in dem man die siebenjährige Tochter von Freunden ermuntern würde, über ihre Flötenstunde zu berichten“, fragte der Gastgeber sie dort, wovon ihre Bücher handeln. Kaum hatte Solnit ihr jüngsten Buch erwähnt, als der Gastgeber sie unterbrach, sie fragte, ob sie wisse, dass zum selben Thema gerade „ein ausgesprochenen wichtiges Buch“ erschienen sei und ausführlich davon zu berichten begann – „mit dieser selbstgefälligen Miene, die ich von schwadronierenden Männer so gut kenne, den Blick auf den fernen unscharfen Horizont der eigenen Autorität gerichtet“.

Der Coup an dieser Anekdote ist schnell erraten: Das wichtige Buch war Solnits Buch, doch diese Information drang erst nach dem dritten oder vierten Hinweis durch. Sie verschlug ihm für einen Moment die Sprache, bevor er ungebremst weiterredete. Dass Buch selbst hatte er übrigens nicht selbst gelesen.

Das Erlebnis lieferte den Anstoß für ihre Überlegungen zu einer ziemlich weit verbreiteten Methode, „im höflichen Diskurs Macht auszuüben“, über Frauen, die damit zum Schweigen gebracht werden.

Mehrere Essays in Solnits Band beschäftigen sich mit der Einschüchterung von und der Gewalt gegen Frauen, mit den Instrumenten, durch die sie „als Gleichwertige, als Partizipierende, als Menschen mit Rechten und viel zu oft schlicht als Lebende“ verhindert werden. Dabei spannt Solnit den Bogen weit: Sie schreibt ebenso über die Unsichtbarmachung von Frauen in Stammbäumen wie über das wuchernde Phänomen Vergewaltigung, zu dessen Verhütung die üblichen Ratschläge immer noch den potenziellen Opfern die Last der Prävention aufbürden

Sie liest den Fall Dominique Strauss-Kahn als Metapher für die jahrzehntelange systematische Nötigung armer Länder durch den Raubtierkapitalismus des IWF, dem Strauss-Kahn vorstand. Oder denkt über die Frage nach, warum die gleichgeschlechtliche Ehe als Bedrohung der traditionellen Ehe wahrgenommen wird, diese Bedrohung durchaus real ist und weshalb das sein Gutes hat.

Solnits Ton hält die Balance zwischen dem Benennen von Missständen und der Ausgewogenheit der Argumentation bewunderungswürdig selbstverständlich. Sie schreibt in einfachen Worten, kenntnisreich und im besten Sinne abschweifend. Wenn sie – mitunter anhand von Zahlen und Fakten – ausführt, was zwischen Männern und Frauen so oft schief läuft, geht es ihr in erster Linie ums Erkennen von „kulturell begründeten Mustern“, die benannt und begriffen werden müssen, damit sich ein Wandel einstellen kann.



Das Schöne an Solnits Essays ist die heitere Hoffnung, die aus ihnen spricht, und die Überzeugung, dass „Frauenfeindlichkeit niemals allein von den Opfern bekämpft werden kann“. Zahlreich seien die Männer, die verstünden, „dass der Feminismus keine Verschwörung mit dem Ziel ist, Männern etwas wegzunehmen, sondern eine Kampagne zu unser aller Befreiung“. Der beste Essay in diesem Band ist aber der, in dem Solnit ihrer Bewunderung für die britische Schriftstellerin und oft missgedeutete Ikone Virginia Woolf freien Lauf lässt.

„Woolfs Dunkelheit“ stellt die Fähigkeit in den Mittelpunkt, das Leben keinem Plan zu unterwerfen und die Sprache – wie Woolf – nicht auf kühne Behauptungen zu reduzieren, sondern Raum für Nuancen, Unsicherheiten, Geheimnisse und Zweifel zu lassen. Gemeinsam mit Woolf verschreibt sich Solnit einem Prinzip Hoffnung, das weiß, „dass die Realität nicht unbedingt mit unseren Plänen übereinstimmt“, und das in einem steten „Zustand des Werdens, Erkundens, Umherschweifens, Grenzen-Überschreitens“ die wahre Freiheit erkennt.

Julia Kospach in FALTER 41/2015 vom 09.10.2015 (S. 51)


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