Wenn Männer mir die Welt erklären

Essays
€ 18.5
Lieferung in 2-5 Werktagen
-
+
Kurzbeschreibung des Verlags:


Rebecca Solnit ist eine der wichtigsten feministischen Denkerinnen unserer Zeit. Ihr Essay Wenn Männer mir die Welt erklären hat weltweit für Furore gesorgt: Scharfsinnig analysiert Solnit männliche Arroganz, die die Kommunikation zwischen Männern und Frauen erschwert. Voller Biss, Komik und stilistischer Eleganz widmet sie sich in ihren Essays dem augenblicklichen Zustand der Geschlechterverhältnisse.Ein Mann, der mit seinem Wissen prahlt, in der Annahme, dass seine Gesprächspartnerin ohnehin keine Ahnung hat - jede Frau hat diese Situation schon einmal erlebt. Rebecca Solnit untersucht dieses Phänomen und weitere Mechanismen von Sexismus. Sie deckt Missstände auf, die meist gar nicht als solche erkannt werden, weil Übergriffe auf Frauen akzeptiert sind, als normal gelten. Dabei befasst sich die Autorin mit der Kernfamilie als Institution genauso wie mit Gewalt gegen Frauen, französischen Sex-Skandalen, Virginia Woolf oder postkolonialen Machtverhältnissen. Leidenschaftlich, präzise und mit einem radikal neuen Blick zeigt Rebecca Solnit auf, was längst noch nicht selbstverständlich ist: Für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt es, die Stimme zu erheben.

weiterlesen
FALTER-Rezension

Die Methode, im höflichen Diskurs Macht auszuüben

Frauen: Rebecca Solnits Essay über die Unsichtbarmachung von Frauen im Öffentlichen und Privaten erscheint nun auf Deutsch

Es gibt Essays, die ein Eigenleben entwickeln. Sie treffen einen Nerv, finden die richtigen Worte für die Erfahrung vieler und erregen den Widerspruch anderer. Sie werden über Jahre gelesen, gepostet und kommentiert und bringen eine Debatte voran. Rebecca Solnits „Wenn Männer mir die Welt erklären“ ist ein solcher Essay. Er entstand 2008, nachdem die kalifornische Publizistin, Feministin und Aktivistin ein Erlebnis auf einer Party in einer „rustikalen Luxushütte“ hatte.

In einem Ton, „in dem man die siebenjährige Tochter von Freunden ermuntern würde, über ihre Flötenstunde zu berichten“, fragte der Gastgeber sie dort, wovon ihre Bücher handeln. Kaum hatte Solnit ihr jüngsten Buch erwähnt, als der Gastgeber sie unterbrach, sie fragte, ob sie wisse, dass zum selben Thema gerade „ein ausgesprochenen wichtiges Buch“ erschienen sei und ausführlich davon zu berichten begann – „mit dieser selbstgefälligen Miene, die ich von schwadronierenden Männer so gut kenne, den Blick auf den fernen unscharfen Horizont der eigenen Autorität gerichtet“.
Der Coup an dieser Anekdote ist schnell erraten: Das wichtige Buch war Solnits Buch, doch diese Information drang erst nach dem dritten oder vierten Hinweis durch. Sie verschlug ihm für einen Moment die Sprache, bevor er ungebremst weiterredete. Dass Buch selbst hatte er übrigens nicht selbst gelesen.
Das Erlebnis lieferte den Anstoß für ihre Überlegungen zu einer ziemlich weit verbreiteten Methode, „im höflichen Diskurs Macht auszuüben“, über Frauen, die damit zum Schweigen gebracht werden.
Mehrere Essays in Solnits Band beschäftigen sich mit der Einschüchterung von und der Gewalt gegen Frauen, mit den Instrumenten, durch die sie „als Gleichwertige, als Partizipierende, als Menschen mit Rechten und viel zu oft schlicht als Lebende“ verhindert werden. Dabei spannt Solnit den Bogen weit: Sie schreibt ebenso über die Unsichtbarmachung von Frauen in Stammbäumen wie über das wuchernde Phänomen Vergewaltigung, zu dessen Verhütung die üblichen Ratschläge immer noch den potenziellen Opfern die Last der Prävention aufbürden
Sie liest den Fall Dominique Strauss-Kahn als Metapher für die jahrzehntelange systematische Nötigung armer Länder durch den Raubtierkapitalismus des IWF, dem Strauss-Kahn vorstand. Oder denkt über die Frage nach, warum die gleichgeschlechtliche Ehe als Bedrohung der traditionellen Ehe wahrgenommen wird, diese Bedrohung durchaus real ist und weshalb das sein Gutes hat.
Solnits Ton hält die Balance zwischen dem Benennen von Missständen und der Ausgewogenheit der Argumentation bewunderungswürdig selbstverständlich. Sie schreibt in einfachen Worten, kenntnisreich und im besten Sinne abschweifend. Wenn sie – mitunter anhand von Zahlen und Fakten – ausführt, was zwischen Männern und Frauen so oft schief läuft, geht es ihr in erster Linie ums Erkennen von „kulturell begründeten Mustern“, die benannt und begriffen werden müssen, damit sich ein Wandel einstellen kann.

Das Schöne an Solnits Essays ist die heitere Hoffnung, die aus ihnen spricht, und die Überzeugung, dass „Frauenfeindlichkeit niemals allein von den Opfern bekämpft werden kann“. Zahlreich seien die Männer, die verstünden, „dass der Feminismus keine Verschwörung mit dem Ziel ist, Männern etwas wegzunehmen, sondern eine Kampagne zu unser aller Befreiung“. Der beste Essay in diesem Band ist aber der, in dem Solnit ihrer Bewunderung für die britische Schriftstellerin und oft missgedeutete Ikone Virginia Woolf freien Lauf lässt.
„Woolfs Dunkelheit“ stellt die Fähigkeit in den Mittelpunkt, das Leben keinem Plan zu unterwerfen und die Sprache – wie Woolf – nicht auf kühne Behauptungen zu reduzieren, sondern Raum für Nuancen, Unsicherheiten, Geheimnisse und Zweifel zu lassen. Gemeinsam mit Woolf verschreibt sich Solnit einem Prinzip Hoffnung, das weiß, „dass die Realität nicht unbedingt mit unseren Plänen übereinstimmt“, und das in einem steten „Zustand des Werdens, Erkundens, Umherschweifens, Grenzen-Überschreitens“ die wahre Freiheit erkennt.

Julia Kospach in Falter 41/2015 vom 09.10.2015 (S. 51)

weiterlesen
Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783455503524
Erscheinungsdatum 05.08.2015
Umfang 224 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Format Hardcover
Verlag Hoffmann und Campe
Übersetzung Kathrin Razum, Bettina Münch
Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:
Ingrid Voléry, Marie-Pierre Julien
€ 76,99
Vincenzo Matera, Angela Biscaldi
€ 87,99
Milad Milani, Vassilios Adrahtas
€ 71,49
Dorothea Zügner, Albert Oeckl
€ 174,30
Benjamin Fredrich
€ 15,50
Claudia Dreke, Beatrice Hungerland
€ 30,80
Helmut Bremer, Andrea Lange-Vester
€ 30,80