Die Einsamkeit der Seevögel

Roman
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Kurzbeschreibung des Verlags:


Eine Wissenschaftlerin reist mitten im Winter nach Finnmark, dem äußersten Zipfel Norwegens. Dort möchte sie das Schwinden der Zugvögelpopulationen und die Klimaveränderungen untersuchen. Fern jeder Zivilisation findet sie Freiheit und Luft zum Atmen, nach der sie sich in ihrer gescheiterten Ehe so gesehnt hatte.Ganz allein, umgeben von endlosem Schnee, tosendem Meer und rauen Naturgewalten, wartet sie auf die Ankunft der Vögel. Und auf ihren Geliebten, der mit ihr die Einsamkeit teilen will. Doch warum verschiebt er seine Ankunft? Woher kommen die seltsamen Geräusche in ihrer Hütte? Und war es der Wind, der ihr über den Körper strich, oder ist sie doch nicht allein? Als die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn, Gegenwart und Vergangenheit immer mehr verschwimmen, muss sie sich endgültig dem stellen, was sie hinter sich gelassen hat.
Mit atmosphärischer Sprengkraft und Dichte erzählt Gøhril Gabrielsen von einer Frau, die sich in der Einsamkeit selbst zu verlieren droht – in einer Sprache klar und scharf wie ein Diamant.

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FALTER-Rezension

Schlechte Zeiten für Tordalk und Gryllteiste

Gøhril Gabrielsen tut den Erregungstreibstoff Klimawandel in den Psychothriller-Tank. Der Motor gerät ins Stottern

Der deutsche Titel ist schon einmal ein Verhau. Blumig und pathetisch wird der lapidare norwegische Originaltitel „Ankomst“ – was sich unschwer mit „Ankunft“ übersetzen ließe – zu „Die Einsamkeit der Seevögel“ aufgeblasen.

Das ist doppelt irreführend, denn, wenn hier jemanden die Einsamkeit plagt, dann ist es die Ich-Erzählerin, eine Wissenschaftlerin Mitte 30, die – wieder einmal auf einer entlegenen Insel (siehe auch Seite 20) – ganz alleine mit den Schrecken des Eises, der Finsternis und der eigenen Innenwelt konfrontiert wird. Darüber hinaus wirkt der Bezug aufs Artensterben, das die Protagonistin mithilfe der von ihr erhobenen meteorologischen Daten auf den Klimawandel beziehen will, ein bisschen so, als wäre er dem Roman aus Aktualitätsgründen aufgepappt worden. Es ist dies übrigens der fünfte der 1961 im nordnorwegischen Honningsvåg geborenen Gøhril Gabrielsen und der erste, der auf Deutsch erscheint.

Mit „Hier ist das Ende der Welt. Danach kommt nichts mehr“ setzt der ­schmale Roman wuchtig und lakonisch ein. Und tatsächlich entwickelt der knappe, situationsadäquat auf Fakten und Verrichtungen fixierte Ton ziemlich bald seinen eigenen Sog: Die Loipe ist gespurt, die Schneeleitstäbe sind eingesetzt, das Satellitentelefon ist funktionstüchtig, sobald zwei Striche am Display erscheinen.

Sind die Parameter der physischen Welt einmal fixiert, kann man sich der Psyche zuwenden. Warten ist für die Heldin angesagt: drei bis vier Monate auf die Seevögel, vier, fünf Wochen auf ihren Geliebten Jo, der versprochen hat, nachzukommen, sobald er glaubt, die Obhut übers Kindergartentöchterl der schwer berufstätigen Mutter, von der er sich getrennt hat, überlassen dürfen zu können.

Das Beziehungsdrama, das sich auftut – die Luschenalarmglocken beginnen auch hier zart zu bimmeln (siehe Seite 20) –, wird noch gedoppelt und gespiegelt. Denn auch die Pro­tagonistin hat eine Tochter, die sie allerdings ohne Zögern dem Vater überlassen hat, obwohl dieser alle Züge eines narzisstisch tief verletzten manipulativen Arschlochs aufweist. Außerdem hat sich auf der Insel vor über 140 Jahren in Folge eines von der Frau verschuldeten Brandes eine Familientragödie ereignet, in die sich die schuldgeplagte Ich-Erzählerin mit überschießender Empathie einfühlt.

Gabrielsens Roman erzählt die Geschichte eines fortschreitenden Selbstverlustes und erinnert ein wenig an Stanley Kubricks Horrorfilm-klassiker „The Shining“. Er ist suggestiv und stark dort, wo die Protagonistin unzimperlich die Folgen einer Selbstverletzung mittels Angelrute oder die Frage verhandelt, ob ihr der Kapitän des Versorgungsschiffes tatsächlich an die Wäsche wollte.

Leider gelingt es der Autorin nicht, die einzelnen Handlungsfäden zu verknüpfen und die Spannung zu steigern, weswegen sie die kläglichste aller Lösungen ansteuert: das offene Ende. Der rote Liste der gefährdeten Seevögel wird nachgetragen und man denkt: „Die Traurigkeit der Trottellummen“ wäre die entschieden bessere Titelwahl gewesen.

Klaus Nüchtern in Falter 41/2019 vom 11.10.2019 (S. 22)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783458177807
Erscheinungsdatum 12.08.2019
Umfang 174 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Insel Verlag
Übersetzung Hanna Granz
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