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Verlag: Insel Verlag
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 109 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.09.2013

Rezension aus FALTER 43/2013

Mandy und Erika heißen jetzt Maryke und Dinka

Pong ist bekanntlich das Geräusch, das beim Retournieren eines Tischtennisballs ertönt, zum anderen der Name jenes Titelhelden, mit dem Sibylle Lewitscharoff (siehe auch S. 28ff.) 1998 die literarische Bühne be­trat und auch gleich den Bachmannpreis gewann. Auf der letzten Seite war der sympathische Zwangsneurotiker damals über den Dachrand gehechtet –"mit schallendem Juchhe dem Mond entgegen" –, und der mit den Naturgesetzen halbwegs vertraute Leser musste davon ausgehen, dass Pong sein Ziel nicht erreicht und stattdessen dem eigenen Leben eine Ende gesetzt hat.
15 Jahre später nun landet "Pong
redivivus" im Gezweig einer Blutbuche, ist also noch einmal vergleichsweise glimpflich davongekommen, obgleich er durch einen Spitalsaufenthalt aus dem Orbit seines Alltags gekegelt wird. Es wäre aber nicht Pong, würde er die Zumutungen einfach hinnehmen. Haben die Schwestern so blöde Namen wie Mandy und Erika, dann wird das vorhandene Buchstabenmaterial zur Neubenamsung genutzt (Maryke und Dinka), und auch deren Volumina werden demokratisch optimiert: "Elf Kilo zog er von der einen ab und schlug sie der anderen zu. Er verkleinerte und vergrößerte wechselweise ihre Busen."
Die Autorin hat ihren Helden mit einigen eigenen Eigenschaften ausgestattet und diesem auch ihre Liebe zur TV-Serie "Monk" mitgegeben (wobei die Beschreibung einzelner Folgen den sprachschöpferischen Schwung des Buches allzu stark bremsen). Neben der eigenen Imagination stünden Pong auch einige Apparaturen zur Wiedererlangung des Äqulibriums zur Verfügung (etwa ein "Widrigkeitsfänger"), nur dass er diese leider nicht bei sich hat. Dem Buch beigegeben sind diese als Reproduktionen von Werken des Künstlers Friedrich Meckseper (und wer's gern ganz "wertig" hat, kann auch die ledergebundene Vorzugsausgabe um € 80,– erwerben).
Der "Plan zur Errichtung einer reinen Pong-Welt" scheitert zwar grandios, aber nachdem sich der Pong als Zimmergenosse zugeteilte Herr Malincrodt ebenfalls als "Monk"-Fan erweist, nimmt das Buch eine überraschende Wendung Richtung Entwicklungsromänle.

Klaus Nüchtern in FALTER 43/2013 vom 25.10.2013 (S. 34)


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