Niemals satt

Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage
von Monchi
€ 18.5
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Kurzbeschreibung des Verlags:



»Ich wiege 120 Kilo und fühle mich wie ein Schmetterling.«

In den turbulenten Jahren, in denen Feine Sahne Fischfilet es bis an die Spitze der deutschen Musikszene geschafft haben, heißt es für Frontmann Monchi immer nur Vollgas. Bis die Band eine Pause einlegt und er zum ersten Mal Ruhe hat, um sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Die Waage verrät ihm, dass die Zeit reif ist: Er wiegt 182 Kilo.
Solang er sich erinnern kann, ist Monchi immer an die Grenzen und darüber hinaus gegangen. Als Rampensau und streitbares Sprachrohr für Feine Sahne Fischfilet ist sein Motto: »Alles oder nichts!« Das gilt allerdings genauso für die unzähligen Abstürze und Vollräusche in Kneipen und auf Tour. Aber nach dem Sprung von der Bühne hat ihn das Publikum ja noch immer aufgefangen, oder nicht? Als es für ihn schon längst normal ist, zu fressen statt zu essen, zu saufen statt zu trinken, beginnt er Gewissheiten und Gewohnheiten zu hinterfragen. Auf Scheitern folgt Verstehen. Er lernt viel über seine eigenen Widersprüche und Macken, über Identität und den Einfluss, den die Gesellschaft auf die Eigenwahrnehmung haben kann.
Monchi beschreibt mit schonungsloser Ehrlichkeit und Selbstkritik, wie er es in nur einem Jahr geschafft hat, 65 Kilo abzunehmen, und wie ihn der Kampf gegen die Maßlosigkeit seitdem täglich beschäftigt; mit vielen kleinen Erfolgen, aber genauso vielen Rückschlägen – denn die Herausforderung hat gerade erst begonnen. Auf diesem steinigen Weg ist ein besonderes Buch entstanden, das voller faszinierender Gedanken und Geschichten steckt. Monchi trägt sein großes Herz auf der Zunge – und so schreibt er auch!

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FALTER-Rezension

"Auf meinen Penis kann ich mit Humor blicken"

Der Untertitel "Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage" wecke Skepsis. Hat der deutsche Punkrabauke Monchi etwa eine Abnehmbuch geschrieben? Betritt man hier gar das Feld der Ratgeberliteratur? Iwo! Sein Buchdebüt "Niemals satt" ist so eigenständig und wild geraten, wie man es von dem sympathischen Individualisten aus Mecklenburg-Vorpommern erwarten konnte. Der Falter erreichte ihn via Zoom bei seinen Eltern, wo er für seine Lesereise probte.

Falter: Sie haben eine Auszeit von Ihrer Band für Ihr Buchdebüt genutzt. Am Anfang steht der Satz: "Das erste Mal in meinem Leben werde ich von der Autobahn abfahren und anhalten, aussteigen und mir Ruhe gönnen." Wie verlief diese Vollbremsung?

Monchi: Mir war klar, dass ich mich nicht um 180 Grad drehen kann. Ich bin ein Rastloser, war ich immer schon und werde ich wohl immer bleiben. Aber mir war auch klar, ich muss irgendwie ein Maß finden.

Für einen Punk ist das eigentlich ein unglaublicher Satz.

Monchi: Ich habe mich nie als Punk gesehen. Was ich während meiner Auszeit übrigens auch gelernt habe, ist, dass ich in keine Schublade passe. Ein Maß zu finden war in meinem Fall einfach überlebenswichtig. Ich habe 182 Kilo gewogen. Ich weiß, das hört sich dumm an, aber ich staune, dass ich überhaupt 30 wurde.

Wie ist das Buch entstanden?

Monchi: Ich habe schon vor Jahren angefangen, mir Sachen zu notieren, weil ich im Grunde genug Erfahrungen für zwei Leben angesammelt habe. Saufen, Drogen und Fressen hatten für mich immer auch das Ziel, den Kopf freizukriegen. Oder ihn zumindest leiser zu machen. Eine Freundin hat mir geraten, meine Gedanken zu sortieren und festzuhalten. Das konnten einzelne Sätze sein oder Erlebnisse. Als ich 182 Kilo wog, dachte ich mir: Krass, ich wiege mehr als meine Mutter und mein Vater zusammen. Mit der Zeit habe ich immer mehr zu diesem Thema aufgeschrieben.

Wenn man über das Thema Abnehmen schreibt, besteht die Gefahr, als Role-Model gesehen zu werden.

Monchi: Stimmt. Es sollte auf keinen Fall ein Fitness-Guru-Buch werden. Ich zeige ja nicht, wie alle anderen Menschen auch so geil wie ich 65 Kilo abnehmen und die Monchi-Transformation machen können. Vielleicht hilft es jemand, weil er denkt: Wenn der Asi das kann, schaffe ich es auch. Aber ich habe das Buch für mich selbst gemacht. Ich wollte mich ganz genau mit mir auseinandersetzen, auch wenn es dadurch hart für mich wurde.

Was war eine harte Erkenntnis?

Monchi: Es gab ein paar sehr überraschende Sachen. Meine Mutter hat mir auf die Frage, wie es mit meinem Gewicht so weit kommen konnte, einen langen Brief geschrieben. Mit Bildern dazu. Und die zeigten: Ich war nicht immer fett, mit 14 war ich noch normalgewichtig. Schon krass, denn das war mir überhaupt nicht mehr bewusst gewesen.

Sie schildern Ihre Eltern als unglaublich liebevoll und tolerant. Wie wurden Sie als Jugendlicher zum Rebell und linken Hooligan?

Monchi: Meine Eltern haben mir, aus einer christlichen Grundprägung heraus, immer Nächstenliebe vorgelebt. Ich habe es für sehr selbstverständlich genommen, so eine tolle Familie zu haben. Ich dachte, jede Familie ist so. Als ich Fußball spielte, sind sie zu jedem Spiel mitgefahren. Mein Vater hat sogar selbst den Trainer gemacht. Mir wurde das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, jedoch schnell viel zu klein. Es gab da keinen Jugendclub. Du musstest an der Bushaltestelle abhängen. Als Fan von Hansa Rostock kam ich dann mit 14,15 durch ganz Deutschland und habe viele krasse Leute kennengelernt. Das hat mich geprägt. Alle um mich herum waren so ordentlich, darum musste ich das Gegenteil machen.

Das liest sich im Buch sehr lustig. Sie beschreiben detailliert, wie Sie sich auf Tour nur das ungesundeste Zeug reinstopfen, Fastfood und Tonnen von Süßkram. Und man denkt die ganze Zeit: Irre, so isst doch heute kein Mensch mehr! War Ihre Ernährung denn eine Art Protest?

Monchi: Ganz klar. Es ging mir schon auch darum, mit meinem Körper zu provozieren. Bei Festivals wie Rock am Ring gibt es nun mal keine drei Leute auf der Bühne, die 180 Kilo wiegen und ihren Bauch rausholen. Sondern nur einen. Alle sind Fitness-Junkies, machen vor der Show 100 Liegestütze und saufen ihre Smoothie-Drinks. Darauf habe ich geschissen. Andererseits war meine Form von Ernährung für mich auch ganz normal. Ich habe da lang nicht explizit drüber nachgedacht.

Wie ist heute Ihr Verhältnis zum Essen?

Monchi: Der Kampf geht weiter. Ich kann nach ein paar guten Runden nicht sagen, ob ich ihn gewinnen werde. Momentan wiege ich um die 125 Kilo. Im Kopf bin ich den 150 näher als den 100. Wenn ich in den Supermarkt gehe, sehe ich zuerst Cookies und Bockwurst. Ungesundes Essen kriegst du an jeder Ecke hinterhergeschmissen. Das ist für mich Himmel und Hölle zugleich. Ich bin gerade in Quarantäne, da ist es besonders schwierig. Je weniger Sport ich mache, umso beschissener ernähre ich mich auch.

Sie schreiben, dass Sie ein Junkie sind.

Monchi: Das so zu formulieren, fiel mir zunächst schwer. Es erschien mir auch übertrieben. Aber es ist letztlich egal, ob du von Kokain, Alkohol oder Essen oder was auch immer abhängig bist. Die Muster dieser Selbstzerstörungsprogramme sind sehr ähnlich. Ich trinke auch gern, aber ich kann locker mit 20 Leuten zusammensitzen, die saufen, und selber nichts trinken. Ich kann jedoch nicht mit fünf Kumpels um einen Tisch sitzen, die herzhaft essen, und nur zusehen. Dann dreht mein Kopf durch.

An welchem Punkt haben Sie gedacht, dass Sie Ihr Leben ändern müssen?

Monchi: Ich konnte nicht mehr. Wenn ich zehn Stufen gegangen bin, habe ich geschwitzt. Ich konnte mir nicht mal mehr den Arsch auswischen oder die Fußnägel schneiden.

Über Stuhlgang oder ihre Penisgröße schreiben Sie sehr locker. Gab es Tabuthemen?

Monchi: Vieles hätte ich lieber weggelassen, weil es für mich unangenehm ist. Aber gerade das sind die Sachen, die das Buch vielleicht erst gut machen. Auf meinen Penis kann ich mit Humor blicken. Wirklich bitter sind Geschichten wie die, dass ich aufgrund meines Gewichts nicht mit den Kindern meiner Ex-Freundin in die Trampolinhalle durfte.

Wie war das Schreiben?

Monchi: Sehr intensiv. Mir war auf der einen Seite bewusst, dass ich nicht den Literaturnobelpreis bekommen werde. Ich wollte so schreiben, wie ich quatsche. Aber ich habe auch nicht alles einfach runtergeschrieben. Es war ein langer Prozess, unterstützt von einem tollen Lektor. Ich schweife oft extrem ab und würde am liebsten in tausend Themen gleichzeitig reingehen. Mir hat es überhaupt nicht an Ideen gemangelt. Mein Lektor hat mich dazu gebracht, einem roten Faden zu folgen und auf den Punkt zu kommen. Ich kann ja später noch Bücher über Fußball, meine Band, Sexismus, Nazis oder andere Themen schreiben.

In welcher Form werden Sie "Niemals satt" in Wien live präsentieren?

Monchi: Das kann ich noch nicht genau sagen. Gestern habe ich meinen Eltern das probeweise so vorgelesen, wie ich es auch bei den Auftritten machen will. Wir waren schon bei über eineinhalb Stunden - und ich hatte noch nicht mal die Hälfte der Stellen geschafft, die ich mir angestrichen habe. Also muss ich einen weiteren Versuch starten.

Sind Ihre Eltern ein gutes Publikum?

Monchi: Sie sind auf jeden Fall ein sehr kritisches Publikum.

Sebastian Fasthuber in Falter 19/2022 vom 13.05.2022 (S. 8)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783462002591
Ausgabe 3. Auflage
Erscheinungsdatum 07.04.2022
Umfang 320 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Biographien, Autobiographien
Format Taschenbuch
Verlag Kiepenheuer & Witsch
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